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2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
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6g Ueber die menfehliche Natur.

die Philofophie unfrer Leidenfchaften ift; fon»dern dafs viele Dinge blos vermittelet des Begriffesund der Vorausfetzung ihrer'Kraft, unabhängig vonihrer wirklichen Ausübung auf Ce wirken. Wirfreuen uns, wenn wir ein Vermögen, Vergnügen zuverfchaffen, erlangen, und find unzufrieden, wennein anderer Macht bekömmt Mifsvergniigen zu er-wecken. Dies ift aus der Erfahrung gewifs; aberum eine richtige Erklärung diefer Begebenheiten zugeben, und diefe Zufriedenheit und Unzufrieden-heit ihren Gründen nach kennen zu lernen, müf-fen wir folgende Betrachtungen in Erwägung ziehen.

Der irrige Unterfchied zwifchen der Kraft undihrer Ausübung kömmt in der That nicht allein vonder fcholaftifchen Theorie des freien Willensher, die im Grunde einen fehr geringen Einflufs aufdas gemeine Leben hat, und die gemeine und ge-wöhnliche Art zu denken nur fehr wenig ändernkann. Nach diefer Theorie benehmen uns die Be-weggründe den freien Willen nicht, und entziehenuns nicht die Macht, eine Handlung zu thun oder zulaffen. Nach den gemeinen Begriffen aber hat einMenfch keine Macht, fobald beträchtliche Bewe-gungsgründe zwifchen ihm und der Befriedigungfeiner Begierden liegen, und ihn beftimmen, das zuunterlaffen, was er zu thun wünfeht. Ich glaubenicht in die Hände meines Feindes gefallen zu feyn,Wenn ich ihn auf der Strafse mit einem Degen ander Seite, vor mir, der ich unbewafnet bin, Vor-beigehen fehe. Ich weifs, dafs die Furcht vor der

bürger-