Druckschrift 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
67
Einzelbild herunterladen
 

Von dem Stolze und der Demuth. 67

Stolz hervorbringt; fo dürfen wir uns nicht wun-dern, dafs die Macht, diefes Eigenthum zu erlan-gen, eine gleiche Wirkung hat. Nun kann Reich-thum als die Macht angefehen werden, alles als Ei-genthum zu erlangen, was uns gefallt, und nur indiefer Rücklicht kann er einen Einflufs auf die Lei-denfchaften haben. Papier kann in,vielen Gelegen-heiten als Vermögen betrachtet werden, in fo fernes nemlich uns die Macht giebt, Geld dadurch zuerlangen: und Geld ift kein Vermögen, in fo fernes als Metall mit gewiffen Eigenfchaften der Solidi-tät, Schwere und Schmelzbarkeit verfehen ift; fon-dern nur in fo fern es ein Verhältnifs zu den Ver-gnügungen und Bequemlichkeiten des Lebens hat.Wenn wir alfo das, was an fich felbft fo einleuch-tend ift, als zugeftanden annehmen, lo können wirdaraus einender ftärkften Gründe hernehmen, denich gebraucht habe, den Einflufs der doppelten Ver-hältniffe auf den Stolz und die Demuth, zu be-weifen.

Es ift in der Abhandlung über den Verftandbemerkt worden, dafs der Unterfchied, den wirbisweilen zwifchen einer Kraft und der Wirk-famkeit derfelben machen, gänzlich nichtig ift,und dafs weder ein Menfch noch ein anderes Wefengedacht werden kann, das eine Kraft befäfse, ohnefie wirklich zu beweifen und damit Zu handeln.Allein fo pünktlich Wahr diefeS auch in einer ftren-gen und philofophifch en Art des Denkensfeyn mag, fo ift doch fo viel gewifs, dafs es nicht

E 3 dis