Von dem Stolze und der Demnth.
tigkeit für eine ktinftliche und nicht für eine natür-liche Tugend halten füllte. Denn in diefem Falleerfetzen Ehre, Gewohnheit und bürgerliche Gefetzedie Stelle des natürlichen Gewiffens, und bringenin einem gewiffen Grade diefelbigen Wirkungen her-vor. So viel ift alfo allemal gewifs, dafs der Be-griff eines Eigenthums uns zum Begriffe des Eigen-tümers und diefer umgekehrt zu jenen leitet; undda diefes ein Beweis eines, vollkommnen Verhält-niffes ift, fo haben wir alles, was zu unferm gegen-wärtigen Vorhaben gehört. Ein Verhältnifs der Be-griffe in Verbindung mit einem andern Verhältniffeder Impreffionen bringt allemal einen Uebergangder Leidenfchaften hervor; und wenn daher eineLuft oder Unluft von einem Objekte erweckt wird,das mit uns durch Eigenthum verknüpft ift, fo kön-nen wir verfichert feyn, dafs entweder Stolz oderDemuth aus diefer Verbindung der Verhältniffe ent-ftehen mufs, wenn anders die vorhergehende Theo-rie ihre vollkommne Richtigkeit hat. Und ob diefeswirklich fo fey, oder nicht, davon können wir unsfelbft durch den flüchtigften Blick auf das, was täg-lich im menfchlichen Leben gefehieht, überzeugen.
Iedes Ding, das einem eitlen Manne angehört,ift unter allen, was nur gefunden werden kann, dasbefte. Seine Häufer, Equipage, Mobilien, Kleider^Pferde, Hunde, übertreffen in feinen Gedankenalle Andre; und es ift leicht zu bemerken, dafs ervon dem geringften Vorzüge in einem diefer Dingeeine neue Materie für feinen Stolz und feine Eitel-Zweiter Band, E keit