Von dem Stolze und der Demutfl. 61
hältniffe enger macht, die Leidenfchaft ftärken undvergröfsern, und alles, was die Verhältniffe fcliwächtoder erweitert, mufs auch die Leidenfchaft verrin-gern. Nun ift es gewifs, dafs die Identität der Be-fitzung das Verhältnifs der Begriffe, das von Blutund den Verwandten entfpringt, ftärker macht, unddie Phantafie mit gröfserer Leichtigkeit von einerGeneration zur andern, von den entfernteften Vor-fahren zu ihren Nachkommen führt, welche ihreErben und ihre Abkömmlinge find. Durch diefeLeichtigkeit geht die Impreffion in ihrer ganzenStärke über, und erregt einen gröfsern Grad vonStolz und Eitelkeit.
Mit der Ueberlieferung der Ehrenftellen undder Güter durch eine Reihe männlicher Glieder,ohne dafs ein weibliches dazwifchen ift, - ift es der-lei be Fall. Es ift eine Eigenthiimliehkeit der menfch-lichen Natur, welche wir künftig *) noch näher be-trachten werden, dafs die Einbildungskraft fichgern an das Wichtige und Beträchtliche hält; undwenn ihr zwei Dinge vorgehalten werden, 6 in un-bedeutendes und grofses, fo verläfst fie gewöhnlichdas erfte und befchäftiget fich allein mit dem letz-tem. Da nun in dem F.heftande das männliche Ge-fchlecht vor dem weiblichen den Vorzug hat, fozieht der Mann unfre Aufmerkfamkeit zuerft auffich; und wir mögen ihn nun unmittelbar betrach-ten, oder durch eine Reihe mit ihm verbundenerObjekte zu ihm gelangen, fo bleibt der Gedanke bei
ihm
*) S. Th. 2. Abfclin. a.