Von dem Stolze und der Demutli. 55
Daher ift das Verhältnis der Kontiguität oderder Kaufalität zwilchen der Urfach und dem Objek-te des Stolzes und der Demuth allein erfoderlich,diele Leidenlchaften zu erzeugen; und diele Ver-hältniffe find nichts anders als Befchaffenheiten, wo-durch die Einbildungskraft von einem Begriffe zumandern geleitet wird. Lallet uns nun erwägen, wasdiele möglicherweile für Wirkungen auf das Ge-mi'ith haben können, und wodurch fie zur Erzeu-gung der Leidenlchaften fo nothwendig werden. Esift gewifs, dafs die Affociation der Begriffe auf einefo ftille und unmerkliche Art wirkt, dafs wir eskaum gewahr werden, und fie mehr durch ihreWirkungen, als durch unmittelbares Gefühl oderVorftellungen entdecken. Sie bringt keine Ge-müthsbewegungen, keine neuen Impreffionen ir-gend einer Art hervor, fondern verändert und ver-letzt blos diejenigen Begriffe, welche fchon vorherim Gemüthe waren, und die es gelegentlich hervor-rufen konnte. Hieraus fo wohl, als auch aus unbe-zweifelter Erfahrung, miiffen wir den Schlufs zie-hen. dafs eine Affociation der Begriffe, fo noth-wendig fie übrigens auch feyn mag, allein nichthinreichend ift, eine Leidenfchaft zu erwecken.
Es ift alfo klar, dafs, wenn das Gemiith beider Erfcheinung eines im Verhältniffe ftehenden Ob-jekts die Leidenfchaft des Stolzes oder der Demuthfühlt, aufser dem Verhältniffe oder dem Uebergan-ge im Denkvermögen, noch eine Gemüthsbewegungoder urfprüngliche Impreffion durch einen andern
Grund