$6 Ucber die menfchliche Natur.
Grund hervorgebracht wird. Die Frage ift, ob diezuerft hervorgebrachte Gemüthsbewegung die Lei-denfchaft felbft, oder eine andere mit ihr verknüpf-te Impreffion fey? Diefe Frage ift nun bald ent-fchieden. Denn alle übrige Gründe nicht gerech-net, die hier in Menge da find, fo beantwortet fiefich fchon daraus ganz deutlich, weil das Verhält-nifs der Begriffe, wovon die Erfahrung lehrt, dafses ein fo' notliwendiger Umftand zur Hervorbrin-gung der Leidenfchaft fev, ganz überflüffig feyn wür-de, wenn es nicht dazu diente, das Verhältnis derGemüthsbewegungen zu unterftützen, und den Ue-bergang von der einen Impreffion zu der andern zuerleichtern. Wenn die Natur die Leidenfchaft desStolzes oder derDemutli unmittelbar hervorbrächte,fo würde fie für fich allein fchon hinreichend feyn,und keine weitere Mitwirkung oder Zuwachs voneiner andern Gemüthsbewegung verlangen. Aberwenn man annimmt, dafs die erfLe Veränderungblos mit dem Stolze oder mit der Demuth im Ver-hältniffe fteht, fo fieht man leicht, zu welchemZwecke das Verhältnis der Objekte dienen könne,und wie die zwei verfcliiedenen Affociatiorien derImpreffionen und Begriffe durch Vereinigung ihrerKräfte einander in ihren Wirkungen unterftützenkönnen. Diefes läfst fich nicht nur leicht denken,fondern ich getraue mir auch zu behaupten, dafs esdie einzige Art und Weife ift, wie wir uns diefe Sa-che denken können. Ein leichter Uebergang derBegriffe, der von felbft keine Gemüthsbewegung
erzeugt,