Druckschrift 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
51
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Von dem Stolze und der Demuth.

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ob fich gleich junge Leute nicht eines jeden Kopf-wehes, oder einer jeden Verkältung fchämen, fokann doch den menfchlichen Stolz nichts mehr de-müthigen, und uns eine fo geringe Meinung vonunfrer Natur beibringen, als die Betrachtung, dafswir jedem Augenblick unfers Lebens dergleichenSchwachheiten unterworfen find. Diefes beweifthinlänglich, dafs körperliche Schmerzen und Krank-heiten an fich eigentliche Urfachen der Demuth find;obgleich die Gewohnheit jedes Ding mehr verglei-chungsweife als nach feinem innern Werth zu fchä-tzen, macht, dafs wir diefe unglücklichen Zufälleüberfehen, weil wir finden, dafs fie jedermann be-gegnen, und verurfacht, dafs wir uns einen Begriffvon unferm Verdienft und Charakter machen, derganz unabhängig von, ihnen ift.

, Wir fchämen uns folclier Krankheiten, welcheauf andre eine fchlimme Wirkung haben, und ihnenentweder gefährlich oder unangenehm find; zumExempel der -Epilepfie, weil fie die Anwefenden inSchrecken fetzt: der Krätze, weil fie anfteckt: ei-nes Kropfs, weil er fich gemeiniglich fortpflanzt.Die Menfchen ziehen allemal die Empfindungen an-derer bei ihren Urtheilen über fich, mit in Erwä-gung. Diefes erhellet aus einigen der vorhergehen-den Raifonnements, und wird aus dem Folgendennoch offenbarer und vollftändiger erwiefen werden.

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Neun*