Von dem Stolze und der Demuth. 49
von andern gehört hat, zuzueignen, um nur feineEitelkeit zu befriedigen.
In diefer Erfcheinung liegen zwei feltfame Er-fahrungen, die vei'glichen nach den bekannten Re-geln, nach denen man Urfachen und Wirkungenin der Anatomie, Phyfik und andern Wiffenfchaf-ten beurtheilt, einen unleugbaren Beweis für denEinflufs der doppelten oberwähnten Verhältniffe ab-geben können. Durch die eine Erfahrung lernenwir, dafs ein Ding blos durch die Dazwifchenkunftder angenehmen Empfindung Stolz erzeugt; unddiefes deshalb, weil die Eigenfchaft, welche denStolz hervorbringt, im Grunde nichts ift, als dasVermögen, Vergnügen hervorzubringen. Durchdie andre Erfahrung finden wir, dafs das Vergnü-gen den Stolz nur durch einen Uebergang zu dendamit verknüpften Begriffen erzeugt; weil die Lei-denfchaft augenblicklich zerftört ift, fobald diefesVerhältnifs weggefchaft wird. Eine wunderbareBegebenheit, in die wir felbft verwickelt waren, iftmit uns in einem Verhältnifs, und um deswillen er-zeugt fie Stolz: aber die Avantiiren anderer können,weil diefes Verhältnifs der Begriffe fehlt, wenn ßegleich Vergnügen verurfachen mögen, nie diefe Lei-denfchaft erregen. Was kann man alfo noch füreinen Beweis für mein Syftern verlangen?
In Anleitung unfrer körperlichen Eigenfchaf-ten kann man gegen diefes Svftem nur einen Ein-wurf machen; welcher ift, dafs die Menfchen dochgemeiniglich nie ftolz auf ihre Gefundheit find,Zweiter Band, D Und