46 Uebcr die menfchliche Natur.
und Demuth, welche unter allen ihren Wirkungendie gewöhnlichften und merkwürdigften find.
Diefen Grund halte ich für richtig und ent-fcheidend; aber um der gegenwärtigen Schlufsfolgenoch mehr Gewicht zu geben, fo lafst uns einmaleinen Augenblick annehmen, er wäre falfch, undfehen, was daraus folgen wird. Nun ift es gewifs,dafs wenn die Kraft, Luft und Unluft zu erzeugen,auch nicht das Wefen der Schönheit und Häfslich-keit ausmacht, die Empfindungen doch wenigftensvon den Eigenfcliaften gar nicht getrennt werdenkönnen, und dafs es fogar fchwer ift, fie auch nurin der Betrachtung abzufondern. Es ift aber derphyfliehen und moralifchen Schönheit, (welche bei-de Urfachen des Stolzes feyn können,) nichts weitergemein, als diefe Kraft Vergnügen zu erzeugen;und da eine gemeinfchaftliche Wirkung allemal einegemeinfchaftliche Urfache vorausfetzt, fo ift offen-bar, dafs das Vergnügen in beiden Fällen die reelleund einfliefsende Urfach der Leidenfchaft feyn müf-fe. Ferner ift zwifchen der Schönheit unfres Körpersund der Schönheit äufserer und fremder Objektekein origineller Unterfchied mehr anzutreffen, alsdafs die eine mit uns'in einem nähern Verhältniffefteht, welches der andern fehlt. Diefer wefentlicheUnterfchied inufs alfo auch die Urfache aller ihrerübrigen Unterfchiede feyn, und alfo auch ihres ver-fchiedenen Einfluffes auf die Leidenfchaft des Stol-zes, welche durch die Schönheit unfrer Perfon rege
wird,