Druckschrift 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
45
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Von dem Stolze und der Demuth, 45

Und in derThat, wenn wir erwägen, dafs ein grof-fer Theil der Schönheit, die wir entweder an Thie-ren oder an andern Dingen bewundern, von demBegriffe der Bequemlichkeit und des Nutzens her-^riihrt, fo werden wir kein Bedenken finden, dieferMeinung Beifall zu geben. In dem einen Thiere iftdiejenige Geftalt, welche von Stärke zeigt, fchön;und in einem andern diejenige, welche ein Zeichender Behendigkeit ift. Die Ordnung und Bequem-lichkeit eines Haufes find nicht minder wefentliclieStücke feiner Schönheit, als feine blofse Figur undäufseres Anfehen. Auf gleiche Art erfodern dieRegeln der Baukunft,' dafs der oberfte Theil einesPfeilers dünner fev, als fein Fufs, und diefes dar-um, weil eine folche Figur uns den Begriff der Si-cherheit zuführt, welcher angenehm ift; die entge-gengefetzte Geftalt würde, in uns Furcht der Gefahrerzeugen, welche unangenehm ift. Wir könneneben fowohl aus unzähligen Beifpielen diefer Art,als aus der Betrachtung, dafs Schönheit fo wenigwie der Witz definirt werden kann, fondern blosdurch Gefclimack oder Empfindung entfchiedenwird, den Schlufs ziehen, dafs Schönheit nichts alseine Form ift, die Vergnügen erzeugt, fo wie Häfs-lichkeit eine Struktur der Tlieile, welche Misver-gnügen herbeiführt; und da die Kraft, Luft unclUnluft zu erzeugen, auf diefe Art das Wefen derSchönheit und Häfsiichkeit ausmacht, fo müffen alleWirkungen diefer Eigenfchaften von der Empfin-dung abgeleitet werden; und unter diefen auch Stolz

und