Druckschrift 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

Von dem Stolze und der DemutL 41

und Unluft in Verknüpfung ftehen. Nichts fchmei-ch eit unferer Eitelkeit mehr, als das Talent, durchunfern Witz und gute Laune, oder andere Voll-kommenheiten, zu gefallen; und nichts ift uns em-pfindlicher, als wenn uns Verfuche diefer Art mifs-lingen. Niemand ift noch bisher im Stande gewe-fen, genau zu fagen, was der Witz fey, und zuzeigen, warum eine gewiffe Reihe von Gedankenmit diefer Benennung belegt werden muffe, und ei-ne andre nicht. Wir können nur allein vermittelftdes Gefchmacks darüber entfcheiden, und habenkeinen andern Maafsftab, nach dem wir unfer Ur-theil hierüber einrichten könnten. Aber worinnebefteht nun diefer Gefchmack, von welchem derwahre und falfche Witz gleichfam fein Wefen erhal-ten foll, und ohne welchem kein Gedanke auf diefeNamen Anfpruch machen kann? Es ift offenbarnichts als eine blofse Empfindung des Vergnügensbei dem wahren, und des Mifsvergnügens bei demfalfclien Witz, ohne dafs wir im Stande find, dieGründe diefes Vergnügens oder des Mifsvergnügensanzugeben. Die Kraft jene entgegengefetzten Em-pfindungen hervorzubringen, ift alfo eigentlich dasWefen des wahren und falfchen Witzes; und folg-lich auch die Urfache desjenigen Stolzes und derje-nigen Demuth, welche durch ihn entftehen.

'Einige, die an die Sprache der Schulen und derStudirftube gewöhnt find, und welche die menfch-liche Natur nie in einem andern Lichte betrachtethaben, als in dem, in welches fie diefelbe gefetzt

haben*