Von dem Stolze und der Demuth, 33
zwei fo unglückliche Vergleichungen mufs die Lei*denfchaft ganz vernichtet werden.
UI. Die dritte Einfchränkung ift, dafs das an-genehme oder unangenehme Objekt fehr auffallendund fichtbar feyn mufs, nicht allein für uns, fondernauch für andere. Diefer Umftand hat wie die bei-den vorhergehenden, nicht minder auf die Freude,als auf den Stolz einen grofsen Einflufs. Wir dün-Jten uns glücklicher, ja felbft tugendhafter oderfchö-ner zu feyn, wenn wir andern auch fo Vorkommen;aber weit eher mögen wir doch unfre Tugenden alsunfre Vergnügungen fehen laffen. Diefes hat Urfa-chen, die ich mich in der Folge bemühen werde,auseinander zu fetzen.
IV. Die vierte Einfchränkung beruht auf derUnbeftändigkeit der Urfache diefer Leidenfchaften,und auf der kurzen Dauer ihrer Verknüpfung mituns. Was zufällig und unbeftändig ift, gewährt unsnur wenig Freude, und noch weniger Stolz. Wirempfinden bei dem Dinge felbft wenig Freude; undfind noch weit weniger geneigt, einen Grad von Ei-telkeit oder Stolz dabei zu fühlen. Wir fehen denWechfel diefes Dinges fchon in der Einbildung vor-her, und find deshalb wenig mit dem Gegenftandezufrieden: wir vergleichen ihn mit unferm Selbft,deffen Exiftenz dauerhafter ift, und dadurch wirduns feine Unflätigkeit noch einleuchtender. Esfcheint lächerlich, einen Vorzug unfrer felbft in einObjekt zu fetzen, das von fo kurzer Dauer ift, unduns während eines fp geringen Theils unfres Da*Zweiter Birne). C feynS