3* Ueber die menfclilidie Natur.
die uns , weil fie fo häufig und fo gewöhnlich find,nicht ftolz machen. Gefundheit, wenn fie nach ei-ner langen Abwefenheit wiederkehrt, gewährt unsein lehr grofses Vergnügen ; aber feiten ift fie ein Ge-genftand für die Eitelkeit, denn fie ift ein Gut, dasgar zu viele befitzen.
Der Grund, weshalb der Stolz in diefem Stil*cke weit delikater ift, als die Freude, ift, meinesErmeffens, folgender Umftand. Stolz zu erregen,müffen wir allemal zwei Objekte anfchäuen, nem-lich die Urfache oder das Ding, welches Lufthervorbringt; und das Selb ft, welches das eigent-liche reale Objekt der Leidenfchaft ift. Aber dieFreude bedarf nur eines Dinges Zu ihrer Entftehung,nemlich dasjenige, welches Luft verurfacht; undob diefes gleich ebenfalls in einer gewiffen Verbin-dung mit dem Selbft ftehen mufs, fo ift es doch blosdeswegen nöthig, um es angenehm zu afficiren ; dasSelbft ift, eigentlich zu reden, nicht das Objekt die-fer Leidenfchaft. Da alfo der Stolz gewiffermafsenzwei Objekte hat, auf die er fein Augenmerk rich-tet, fo folgt, dafs, wenn keines vor dem anderneinen befondern Vorzug hat, die Leidenfchaft indiefer Rückficht mehr gefchwächt werden mufs, alseine andre , die nur ein Objekt hat. Eei der Ver-gleichung unfres Selbft mit andern, wozu wir alleAugenblicke geneigt find, entdecken wir nicht dasgeringfte Auszeichnende, und bei der Vergleichungdes Objekts, das wir befitzen, nehmen wir immer»och diefen unglücklichen Umftand gewahr. Durch
zwei