Druckschrift 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

Von dem Stolze und der Demuth. 27

verwandelt wird, und dadurch die Empfindung derLuft, welche dem Stolze entfprach, in Unluft, diemit der Demuth verknüpft ift, verwandelt wird.Die doppelte Beziehung zwifchen den Begriffen undImpreffionen bleiht in beiden Fällen, und bringt ei-nen leichten Uebergang von der einen Gemüthsver-änderung zu der andern hervor.

Mit einem Worte, die Natur hat gewiffen Irn-preffionen und Begriffen eine Art von Anziehungs-kraft verliehen, durch welche die eine Vorftellungbei ihrer Entftehung die andere, die mit ihr itnVerhältniffe fteht, nach einem natürlichen Gefetzeherbeiführt. Wenn diele zwei Beziehungskräfteoder Affociationen der Impreffionen und Begriffebei einem Objekte zufammen wirken, fo untcrftü-tzen fie ficli einander wechfelsweife, und der Ueber-gang der Leidenfchaften und der Begriffe in derEinbildungskraft gefchieht mit der gröfsten Leich-tigkeit. Wenn ein Begriff eine Impreffion erzeugt,die fich auf eine andere Impreffion bezieht, welchemit einem Begriffe verknüpft ift, der mit dem er-ften Begriffe im Verhältniffe fteht, fo müffen diefezwei Impreffionen auf eine gewifle Art unzertrenn-lich feyn, und die eine kann ohne die anderefcldechterdings nicht zum Vorfeheine kommen.Auf cliefe Weife find die befondern Urfachen desStolzes und der Demuth beftimmt. Die Eigenfchaft,welche auf die Leidenfchaft wirkt, bringt für ficheine Impreffion hervor, die ihr ähnlich ift; das Sub-jekt, dem die Eigenfchaft anhanget, hat auf das

Selbft,