Ueber die menfchliclie Natur.
Wirkungen auf die Leidenfchaften und Begriffe zu-fammengenoinmen betrachte, fo kann ich bey die-fen Vorausfetzungen nicht länger zweifeln, dafs die-fes das wahre Principium fey, welches den Stolz er-weckt, und diejenigen Organe in Bewegung bringt,welche aufser ihrer natürlichen Anlage diefen Af-fekt zu erzeugen, die fie fchon haben, nur nocheines erften Stofses oder einer Gelegenheitsurfachezu ihrer Handlung bedürfen. Ein Ding, das eineangenehme Empfindung gewährt, und fich auf dasSelbft bezieht, erweckt die Leidenfchaft des Stol-zes, welche alfo angenehm ift, und das Selbft zuihrem Objekte hat.
Was ich vom Stolze gefagt habe, ift eben foWahr von der Demuth. Die Empfindung der De-rnuth oder des niedergefchlagenen Wefens ift fo un-angenehm, wie die des Stolzes angenehm ift. Da-her mufs die abgefonderte Empfindung, welche vonden Urfachen entfpringt, umgekehrt feyn, da dieBeziehung auf das Selbft fortfährt diefelbe zu feyn.Obgleich Stolz und Demuth in ihren Wirkungenund Empfindungen grade entgegengefetzt find, fohaben fie demohnerachtet ein und,eben daffelbigeObjekt; fo dafs man nur das Verhältnifs der Itn-preffionen ändern darf, ohne in dem VerhältniffeIler Begriffe eine Abänderung vorzunehmen. Sofinden wir, dafs ein fchönesHaus, das uns ange-hört, Stolz erzeugt; und dafs daffelbige Haus, wennes auch unfer bleibt, Demuth erzeugen kann, wennfeine Schönheit durch einen Zufall in Häfslichkeit
ver-