Druckschrift 
2 (1791) Ueber die Leidenschaften
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

Von dein Stolze und der Demut/i,

25

daffelbe ift, und keine befondere Anftalt im Körperfür den Stolz gemacht ift, wie bei Dürft und Hun-ger. Drittens verhält es fich mit der Demutheben fo, wie mit dem Stolze; und alfo mtifste fienach diefer Vorausfetzung entweder ebenfalls be-ftändig da feyn, oder die entgegengefetzte Leiden-fchaft gleich im erften Augenblicke vernichten; fodafs alfo keine von ihnen wirklich feyn könnte.Das Refaltat ift, dafs wir uns bei dem vorigenSchluffe befriedigen muffen, dafs nemlich der Stolzeben fowohl eine Urfache, als ein Objekt habenmüffe, und dafs das Eine ohne das Andere keinenEinflufs habe.

Die Schwierigkeit ift alfo nur, diefe Urfachezu entdecken, und ausfindig zu machen, was demStolze die erfte Bewegung giebt, und diejenigenOrgane in Thätigkeit fetzt, welche von der Naturzur Hervorbringung diefer Gemüthsbevyegung be-ftimmt find, Wenn ich, um diefe Schwierigkeit zulöfen, die Erfahrung zu Rathe ziehe, fo bieten fieltmir fogleich hundert verfchledene Urfachen an, dieden Stolz erzeugen; und nach einer genauen Befich-tigung diefer Urfachen finde ich das beftätigt, wasmir gleich anfänglich als wahrfcheinlich vorkam, dafsfie alle in zwei Stücken Übereinkommen ; diefe find,dafs fie von fejbft eine Impreffion erzeugen, die mitder Leidenfchaft in Verbindung fteht, und dafs fiein einem Subjekte find, das wiederum «mit dem Ob-*jekte der Leidenfchaft zufammenhängt. Wenn ichdemnach die Natur des Verhältniffes und feine

Wir*