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3 (1880) Göthe - Kindheit
Entstehung
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Singeitblectüre, 3«genbliteraiur.

5 ) ©ehr geWöljnlid) ift bie 2lnnahme, baß in einer guten Uugenbfhrift eine nto =ralifhe Senbenj ftd> augfpredjen mäße. 2lber Iperbart bemerlt bagegen, baß fd)onbie 2lBfiht ju bilben bie Uugenbfdjrift »erberbe itnb namentlich »bag fihtbare Seftreben,aüeS auf Religion unb SJlorat äurüdjuführen", ben Knaben I)inbere, [ich ihrem @in=brucfe unbefangen hinjugeben. Sßirb, wie eg getuö^nlidj gefdjiel^t, bie 932oral an bemSeifbiel erbidjteter ®ugenbt)elben gelehrt, fo merf't bag $?inb TCeicljt, baß biefe gelbennicht Stofh unb Sein haben, unb wirb gelangweitt ober felbft tnigtrauifd). ®enn nurbie SBahtheit beg Sebeng ift eg, bie praftifdje ®h e ^ na ^ me e^wecStr unb nur im ®egen=fnfce jum Söfen wirb bag ®ute erfannt unb geliebt, »©teilt ®inbern," fagt fter =Bart »ortrefftid), »bag ©djledjte bar, nur nicht alg ©egenftanb ber Segierbe; fiewerben finben, baß eg fc^lec^t ift. Unterbrecht eine (ärjählung burh ntoralifheg Slaifonne=ment, fie werben finben, baß ihr langweilig erjä^lt. ©teilt lauter ©uteg bar, fiewerben finben, baß e§ einförmig ift, unb ber Bloße Sfeij ber SlbwedjSlung wirb ihnenbag ©d)led)te wiHfommen machen. 2lber gebt ihnen eine intereffante ©rjählung, reichan SegeBenheiten, Serhältniffen, ©hawdteren, eg fei barin ftrenge pftydfologifdjeSßahtheit unb nicht fenfeit ber ©efühle unb (§infid)ten ber $inber; eg fei barinfein ©treben, bag ©hlimmfte ober bag Sefte ju jeihnen; nur habe ein leifer, felbftnodf halb fhlummernber Saft bafur geforgt, baß bag Untereffe ber |>anblung fid) »onbem ©djledjten ab unb jum ®uten, sum SiHigen, jum Stehlen hinüberneige; ihr wer=bet fehen, wie bie finblidje 2lufmerffamfeit barin murjelt, wie fie nod) tiefer hinter bieSBahrtjeit ju fommen unb alle ©eiten ber ©adje heroorjuwenben fudjt; wie ber mannig=faltige ©toff ein mannigfaltigeg Urteil anregt, wie ber 9leij ber 2lbweh§lung in bagSorjiehen beg Seffern enbigt, ja wie ber $nabe, ber fich i»i fittlidjen Urteil öieUetdjtein paar fleine ©tufen h»h er fühlt, alg ber §elb ober ber ©c^reiber, mit inneremSBohlgefühl fid) feft hinftemmen wirb auf feinen ißunct, um fich ju Behaupten gegeneine Stolieit, bie er fdjon unter fi<h fül)lt."

931 an toirb jugeben, baß bie BiBlifche ©efhidjte beg 21. ®. auch eine 93?oral ent=hält; unb trbod) finb jene ißatriardjen fammt ihren Sffieibern unb Söchtern, biefe dichterunb Propheten, Könige unb ißriefter nidjtg weniger alg Sugenbibeale im ©inne einermobernen fdjlappen Sftoral, bie aug ihren ÜJiuftererjählungen für bie lieben kleinengerne alteg fparte, ©djroffe augglättet. ©erabe baß bie ©chattenfeite nicht fehlt, baß9?eib, ©itelfeit, Böfe 8uft, Unbanf, ©djlauheit, ®rug auh an biefen ©tamnwätern begSolfeg ©otteg offenbar werben, giebt ihnen einen fo hohen päbagogifhen SSertl).®ie ©efhihte 2lbamg, ßaing, 2lBrahamg, Uofepl;g, ©imfong, ®aoibg finb mit Siehtebenfo wohl (ober wohl noch weit mehr) »SBeltoorfteHungen geworben, alg 2Ihißeugunb ißatroflog, 2lgamemnon unb Uphigenie, §eftor unb 2lnbromahe, Dbpffeug unbPenelope." (Siofenfranj §. 91 .) Ummer muß bie älioral aug ber @r$ählung felbftfprehen. ©elBft bie gabel »erträgt eg niht leid)t, baß ihre Siu^anwenbung ing 2tbg=tracte Breit gelegt werbe.

6) 2lnberg »erhält eg fid) mit ber gorberung, baß bie Uugenbfdjrift fittlid)rein gehalten werben mäße, infofern man nämlid) barunter nur eine Sermeibung allegbeffen ju »erftehen pflegt, wag bie ©haml)aftigfeit »erleben ober Böfe üüfte erregenfönnte. ®enn mit Sieht ift ju forbern, baß in ber Uugenbfdjrift bie thierifdje Slaturbeg SKenfhen, bie eben Befämpft unb niebergel)alten werben foü, nicht in ihren fhmujügenSerrihtungen unb gemeinen Srieben I)er»ortrete. Unb nidtjt allein fad)Iih, uud) h^ 111fihtlih ber 2lugbrucfgweife ift eine entfpredjenbe Sorfiht ju empfehlen. ®enn eg giebt®inge, bie an fid) feinegwegg unfittlid) finb, aber bodj »on bem natürlichen ©ham=gefühl »erfhwiegen ober »on bem cioitifirten in conoentionetle ISuphemigmen gehüllt juwerben pflegen; unb 2lugbrücfe, bie biefer conoentioneHen ®ecenä wiberftreiten, tönnenbem S'inbe in äl)nlid;er 2öeife anftößig werben, wie ein unfhulbiger SBilber, wenn wirihn in feiner Siacftheit in unfere ©efetlfdjaft einführen wollten. ®od) aud) eine juängftlidje SJahgiebigfeit gegen eine überfeinerte fpradjlidje ®eceuj tann fhaben, unb eg