[I ^itgcnblectürc, Sugenbliteratur, 887
iy biefeS Bolfed ju bilben. ®ad edjte Bolfdtnärdjen, Nibelungen, bie Botfdbüdjer oonben £>aimondlinbern, bev fd)Bnen Ntagelone, oon gortunat, bem einigen 3uben, ^auftI unb ber ©agenfdjah überhaupt, fotoie fel&ft bie Segenbe, Bieten, unb jioar in geeigneterS Vertretung »erfd&iebcner Bilbungdftufen bed tßoXfS unb ber Sugenb, Brauchbare ©toffe
l bar. Slud) in fabeln, @efd)id)ten unb Slnefboten, bie ald Sippen Ber SMterfahrung,
| ber Bolfdweidl)eit unb bed Bolfdtoii|ed (mir erinnern an (Snlerrfpiegel nnb bie ©d)ilb=Bürger) jum Sdjetl cutd uralten geiten fid) galten nnb in bad Bott eingelebt haben,finbet fid) eine Sülle oon Ntateriat, bad tl)eilmeife fdjon in unfere Dngenbliteraturübergegangen, aber immer neuer ©id)tung unb Bearbeitung fähig unb bielfad) bebürftigift. »Sür bad 3ünglingd = unb Sungfrauenalter aber, unb um fo mehr, je mehr edfj bem reiferen Sitter fid? nähert, muß bie Sludbilbung ber Bßoefte ben Ernft ber 2Birf=
( lidffeit fetbft in feiner unb er hüllten Energie h«oortreten tcxffen. Nidjt mehr aldahnungdootled ©piet, fonbern in feiner objectiben Eigenheit muß ed nunmehr bie Bor=ftellung ber Sfugenb burd)bringen, ba fie felbft in bad ©etriebe bed Sßettlaufd einju»
■ greifen fid) anfd)iden fott." (Nofenlranj §. 97.) 3n biefe gunction toirb äunädjft bad®rama unb ber Noman eintreten, beibe nad) ihrem ibealften begriffe aufgefaßt atdj eine poetifdje ©arfleßung bed im Kampfe gegen bad ©d)idfal erftarfenben unb fid)
tauternben 9Nenfd)engeifted, — unb hi« Bietet auch bie neuere claffifdje Literatur eine; jiemlich reid)e Sludtoahl-
I Slm bürftigften ift aud nahetiegenben ©rünben bie Sludtoahl für bie frühe $inb=
l)eit; aber bied eben foHte nur bie ÜNahnuug oerftärten, baß man bie Seetüre bieferfrühen unb meift ju früh tefenben $inbl)eit befdjränfe.
4) ®ie Singer ob unb inwieweit claffifdje ©tüde eine für bie 3fugenb bercdjnetei| Bearbeitung julaffen ober erforbern, muß nidjt allein oom ^äbagogifc&en, fonbern
I aud) oom äftt)etifd)en ©tanbpuncte aud erioogen »erben. Bei SBerlen ber früheften
Eulturpcrioben toirb ber mt)t£)ifd)e unb t^iftorifche ^intergruub, aud bem t)«cmd fie fid)
■ geftaltet herben, einer Slufljellung, unb bie nadte Noljeit ober bod) ber Sludbrud berfelben
| einer ©änftigung bebürfen, bamit bad ©anje bem Sinbe ber ©egentoart üerftänblid),
| unanftüßig unb ^eimifc^ toerbe. ®ennodj aber muß ber Eharafter unb bie gärbung
bed ©aujen bewahrt unb barf bie Äraft nid)t abgefd)toad)t, bad fperbe nid)t oerfüßlidjtj toerben. SNit einer cioilifirenben Seile allein, ober aud) mit ertäuternben Noten ift hier
f nid^t geholfen unb mit eingelegten Naifonnementd oiel gefdjabet; oielmel)r bebarf ed
j eben auch eined fehöpferifdjen ©eifted, um bie großen ©eifter, bie im ©rabe längft oer=
| fatlner feiten rut)en, $u neuem jugeubtichen Seben ju toeden. ®ie Bearbeitung muß
, »nießt überall Ueberfefjung, aber überall mehr ald lleberfefsung fein." Sfmmermamt’d
! Sriftan unb Dfolbe unb nahebei aud) Simrod’d Slmelungenlieb (bie freilich nicht für
* bie ftugenb gcfdjrieben finb) tonnen atd glüdtidje Berfudje einer foldjen freien Bearbei=
tung betrad)tet toerben.
3m ben 3)id)tungen ber ®inbt)eit bed iNenfdjengefdjledjtd ift inbed aud) ein SNotio| toirtfam, bad erotifd)e, bad bem Sinbe unoerftänblich ift, ober, toenn ed halb oer=ftanben in nadter ©innlid)teit einem oerfeinerten ©djatngefühl ober einer fdjon oer=gifteten ißhftotafie entgegentritt, gerabeju entfittlidjenb »irlen fann; unb hier ift bempäbagogtfdjen Satte eine Slufgabe gefteHt, bie eben fo fel)r burd) übertriebene 2lengftlid)=feit oerfehlt toerben lann, atd burd) ein rüdfid)tdlofed Bloßtegen. — Slnberd üerljält edftch mit neueren claffifdjen SBerfen; aud) in ihnen finben fid) manche ©tüde, bie, toieman meint, nur bed Sycerpirend ober aud) nur einer leichten Eenfur bebürften, um fürbie Dfugenb tedbar ju toerben. Slber toad toir und bei SBerfen einer übertounbenenEulturepodje erlauben bürfen, bad ift und oerfagt bei foldjen ©djriften, bie nad) ihrerganjen 3nbioibualität aud ber ©egentoart fetbft ertoadjfen unb biefer unmittelbar $u=gänglid) finb. — Eine Bearbeitung foldjer BJerfe für bie 3ugenb toürbe biefer benoollen ©enuß fpäterer 3ahre oerlümmern unb bie eingetretene ©ittcncenfur toürbe oiet=leidjt nur lüftern nach ber Einfidjt in nicht caftrirte Syemptare mad)en.