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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Gewisse», Gewissenhaftigkeit.

machen, das Gewissen stärken gegen die ihm gerade im Kinde speciell entgegenstehendenMächte, den Leichtsinn, die Lüge das können wir. Nur erinnert sei noch daran,daß das unter Ziff. 3 Gesagte ebenso sehr die gelegentliche Belehrung, zu der dasLeben in seinem alltäglichen Verlauf die Anlässe zahlreich bietet, als auch den geord-neten Religionsunterricht betrifft, der in allen seinen Theilen und auf allen Stufen,insbesondere auch noch schließlich als Confirmandenunterricht und Vorbereitung zumAbendmahl jene Beziehung des Gewissens auf Gott und Gottes auf das Gewissen demKinde einprägen muß. Besteht, wie einst im Haller Waisenhaus, an irgend einein In-stitut eine förmliche Seelsorge, die sich speciell mit den Einzelnen zu thun macht, odernimmt sich aus freien Stücken ein Lehrer, ein Vorsteher der Zöglinge an (wie z. B.Oetinger dies von dem Prälaten Weissensee in Blanbeuren rühmt, s. s. Selbstbiogra-phie, herausg. v. Hainberger S. t l.), so ist da für allgemeine und besondere Gewissens-leitung Raum gemacht, die gerade dem Jünglingsalter so wohl zu Statten kommt.Ohne irgend welchen Beichtzwang nach jesuitischem Muster kann sich ein Lehrer solchespersönliche Vertrauen erwerben, daß ihm die Gemüther von selber sich öffnen. Das istdie rechte oura nuiumrum, die erst den rechten Lehrer ausmacht. Ein solches Ver-hältnis niuß auch der Geistliche zwischen den von ihm confirinirten Kindern und sichzu stiften suchen, daß sie ihm nicht fremd werden, sondern an ihm einen Gewissensrath,bei ihm eine immer offene Thür für ihre Anliegen finden. Stehen sie so zu ihm, soist der Gedanke an ihn auch wieder ein Schutzmittel gegen Versuchungen, wo das Ge-wissen allein ohne solch einen äußern Halt, ohne Furcht und Scham vor ihm vielleichtnicht Herr über Gelüste und Verlockung würde (vgl. d. Art. Geistliche als Seelsorger).

4. Man spricht bekanntlich auch von einem irrenden Gewissen; wir haben obengesehen, wie das Gewissen selbst in den Jrrthum mit hineingezogen wird. Da aberein größerer Theil der Schuld jedenfalls nicht ihm, sondern der Fälschung des sitt-lichen Sinnes zur Last fällt, so muß es von dieser Seite her vor Falschem sicher ge-stellt werden. Daher ist auch dies eine Aufgabe des Erziehers, das sittliche Urtheildes Kindes richtig zu stellen, rein zu halten, zu üben und zu schärfen. Das geschiehtunseres Erachtens besser durch Beleuchtung und Betrachtung fremder als eigener Hand-lungen; denn bei den letzteren mischt sich leichter irgend ein egoistisches Motiv ein,während an fremden Handlungen sich der sittliche Sinn rein expliciren kann. Es wird alsoaus der Geschichte, aus der eigenen Umgebung des Kindes jeder geeignete Anlaß benutzt,um das Kind urtheilen zu lassen, ob das recht oder unrecht ist, und zwar so, daßimmer auf die allgemeinen sittlichen Grundsätze, auf Gottes Gebot zurückgegangen wird.Je nach der Fassungskraft des Kindes wird auf Probleme eingegangen, z. B. obJephtha, ob Herodes wohl gethan, ihr Gelübde zu halten, und warum nicht; es wirdan den Charakteren der heiligen und profanen Geschichte das Edle vom Unedlen unter-schieden, überhaupt die Mischung des Guten und Bösen analysiren gelehrt; es werdenVergleichungen angestellt, z. B. zwischen der Buße des Petrus und der Reue des Judas,es wird in der Geschichte des Cornelius Apgsch. 10. gezeigt, wie Petrus ans Gottes Rufselber von Gewissensscrupeln losgebunden wird, wie Röm. 14. Paulus die Gewissenüber heidnisches Fleischessen richtig stellt u. s. f. Dadurck, daß sich der Zögling immerRechenschaft geben lernt von dem, was und warum es gut und böse ist, bleibt er be-wahrt vor falscher Laxheit wie vor falscher Aengstlichkeit und Scrupulosität; die Wahr-heit macht ihn frei. Geht aber beides Hand in Hand, jener Gewissensernst in derFurcht Gottes, wovon wir unter Ziff. 3 sprachen, und diese wachsende Klarheit desUrtheils, die Geübtheit des Verstandes, Schein von Wirklichkeit, Meinung von wohl-begründeter Wahrheit, Gewohnheit von Recht, bloße Anwandlung von wirklichem Ge-fühl zu unterscheiden, die Fähigkeit, in jedem Zweifelsfall (einem oasns oonsoisntmo)den richtigen Punct herauszufinden und eine Entscheidung zu treffen: dann hat derZögling in seinem Gewissen die heilige Macht, die ihn eben so treu im Kleinen undVerborgenen vor Gott wandeln als kühn und unerschütterlich der Welt gegenüber tretenläßt. Palmer 4.