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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Gewissen, Gewissenhaftigkeit.

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ihres Daseins, ihres Wachsthums, ihrer Bewegung vorgezeichnet hat, d. h. er hat esdem Menschen als lebendige Macht eingepflanzt; das ist Röm. 2, is das roL(d. h. die Wahrheitssubstanz seines Gesetzes, die als Triebkraft im Menschenwirken soll) wozu dann erst als ein zweites, erst durch die

Sünde bedingtes die einander verklagenden und entschuldigenden Gedanken, die einenTheil der Gewissensthätigkeit ausmachen, hinzukommen. So wirkt das eingeborne Guteeinerseits ganz umnittelbar als Trieb; zu einem Liebesdienst, zu einem Wahrheits-bekenntnis, zu einem Ausdruck des Dankes u. s. w. treibt es den Rechtschaffenen voninnen heraus, ohne Dazwischentreten des Gewissens; der lautere Wille aber ist es, derdem Begehren, dem Andringen des sittlichen Triebes gleichsam die Hand zur Verfügungstellt, und so entsteht auf geradem Wege die rechtschaffene That: das ist das wahrhaftgöttliche Handeln. Aber dieser Spontaneität entspricht auch eine Kraft der Receptivität;wie mein äußerer und innerer Sinn das Schöne im Licht, in der Farbe, im Ton u. s. f.aufnimmt, und wie meine Intelligenz diese Eindrücke alsdann in Urtheile faßt (das istschön, jenes ist häßlich re.), so ist mir auch als Theil meiner sittlichen Ausrüstung einSinn für das Sittliche mitgegeben, der in innerer Einheit mit jenem Triebe steht; wasgut, was trefflich ist, das leuchtet diesem Sinne unmittelbar ein, und aus ihm bildetsich im denkenden Menschen sofort ebenfalls das Urtheil: dies ist gut, jenes ist schlecht.Denken wir uns nun, es würde ein solcher Mensch, ähnlich wie Gott, zwar das Bösedadurch kennen lernen, daß es ihm in der Handlungsweise anderer Menschen unter dieAugen tritt, er selbst aber stünde so hoch, sein Wille wäre, wie Gottes Wille, soidentisch mit dem Guten, d- h. ein schlechthin heiliger Wille, für den es gar keineVersuchung giebt, dann wäre auch auf ihn der Begriff eines Gewissens nicht anwend-bar; von Gott sagt niemand, er habe ein Gewissen. Denn obwohl die Handlungeneines solchen Menschen nicht instinctmäßig vor sich gehen, sondern mit Freiheit undBewußtsein: so schließt doch Freiheit und Bewußtsein bei ihm die (ethische) Möglichkeitdes Bösen nicht in sich. Sinn und Trieb wirken beide rein aus sich heraus, manmöchte sagen: sie wirken zwar nicht in der Weise der unbewußten Natur, aber dafürecht künstlerisch; das Handeln ist ein durch keinen Gegensatz vermitteltes, freies undfreudiges Produciren.

Jenes Bewußtsein nun, daß, was aus freiem Antrieb mit Lust geschieht, dasselbeist, was sein soll, was ebendarum Gegenstand eines Antriebs ist, weil in diesen Triebsich das sittliche Gesetz involvirt wird meist auch schon Gewissen genannt; aber wirglauben, daß dieser Sprachgebrauch bei schärferer wissenschaftlicher Analyse nicht an-gewandt werden kann; Christus war sich vollkommen bewußt, daß, was er thue, etwasvom Vater Gewolltes, etwas Notwendiges sei; aber nirgends findet sich auch nur eineSpur davon, daß er dies auf ein Gewissen reducirt; geschehen muß seines VatersWille nicht, damit sein Gewissen ruhig sei, sondern daß die Schrift erfüllet werde.Für das bloße Bewußtsein, daß, was ich thue, dem Sittengesetz conform ist, wo esgar keiner Nöthigung, d. h. keiner Ueberwindung eines Widerstandes bedarf, oder wo,wie in dem Seelenkampfe Jesu am Oelberg, der Liebessinn gegen Gott und Menschenstark genug ist, um auch des Fleisches Schwachheit zu besiegen, ist der Name Gewissenein zu starker, wir möchten sagen, ein zu schneidender; seine Anwendung auch fürdieses Moment im sittlichen Leben ist bloß damit zu rechtfertigen, daß solch ein idealersittlicher Standpunct, wo es gar keines Gewissens bedarf, um das Gute in uns zuproduciren, auch von den Besten unter uns nur momentan eingenoinmen wird. Ebensowenig ist das Bewußtsein der vollbrachten Handlung bei einem solchen dasjenige, wasman ein gutes Gewissen zu nennen Pflegt, worin nämlich Beifall und Lob soll zu ver-nehmen sein. Wie Gott an seiner Schöpfung, wie der Künstler an einem wohlge-lungenen Werke sein Wohlgefallen hat, so mag er sich dessen freuen, was er gethan;aber einerseits ist dies nicht identisch mit dem guten Gedächtnis, das der PharisäerLuc. 18, 11. 12. für seine Tugenden hat, und andererseits ist der Name »gutes Ge-wissen" für solch' eine ungestörte Harmonie mit sich selbst, solch einen reinen Seelen-