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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Gewissen, Gewissenhaftigkeit.

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Wissens bringt, die ihn ebenso frei macht von aller äußeren Gewalt als sie innerlichmit göttlicher Kraft ihn bindet, und daß sie dies eigene Gewissen nicht selbst wieder infalsche Bahnen gerathen läßt, sondern es in der Art bildet, daß, was es dem Menschenwehrt, auch wirklich Sünde, das aber, was es ihn thun heißt, auch objectiv das Guteist, also nicht z. B. die saaots, simplioitas eines dummgemachten Gewissens einen Idiotentreibt, zu dem Scheiterhaufen noch Holz zu tragen, auf dem Huß soll verbrannt werden,aber ebensowenig auch das sonst so ängstlich gemachte Gewissen sich über eine wirklicheSchuld durch einen Ablaßzettel zum Schweigen bringen läßt. Hievor ist das Gewissennur sicher, wenn es erzogen ist; bloß in einzelnen kraftvollen Menschen, durch die Gottein Neues schaffen wollte auf Erden, hat es sich von innen heraus Bahn gemacht unddie Fesseln zerbrochen, in die es durch jahrhundertelange Verwahrlosung, trotz allenBeichtstühlen, ja eben in diesen selbst, gerathen war.

Es ist uns außer Zweifel, daß, was das Gewissen sei, nur auf dem Wege derSelbstbeobachtung, zu welcher die Beobachtung anderer allerdings die Parallelen undIllustrationen liefert, richtig erkannt werden kann. Die h. Schrift, als das Gotteswort,das ein Richter ist der Gedanken und Sinnen des Herzens (Hebr. 4, 12), giebt unsLicht zu solcher Beobachtung, aber sie überhebt uns derselben nicht; sie ist ohnehin vielweniger dazu bestimmt, eine begrifflich vollständige Lehre vom Gewissen darzubieten, alsvielmehr das Gewissen factisch zu regeneriren, es in seine Macht einzusetzen. Auf demWege der psychologischen Beobachtung kommen wir dann freilich nicht zu solchen De-finitionen des Gewissens, die es in eine Höhe hinaufschrauben und in eine Weite aus-dehnen, daß am Ende alle Sittlichkeit nicht nur, sondern auch alle Religion Gewissens-thätigkeit wäre; so ist uns z. B. die Definition von Harleß:das Gewissen sei derVermittler der Lebensgemeinschaft mit Gott, die Einung des persönlichen Lebens nachseinem persönlichen Mittelpuncte, dem Herzen, mit Gott", viel zu weit und darum un-genau. Und wenn derselbe sagt: das Wesen des Gewissens dürfe gar nicht nach seinerErscheinungsform beurtheilt werden, da diese infolge der Sünde eine nicht zum ur-sprünglichen Wesen gehörige geworden sei: so ist vielmehr zu behaupten, daß wir ingar keiner andern Form, als eben derjenigen, in welcher es erscheint, das Gewissen be-obachten können; dabei aber find wir noch weiter der Ueberzeugung, daß diejenigespecifische Function der sittlichen Gesammtkraft im Menschen, die wir im Unterschiedevon allen andern Functionen das Gewissen nennen, erst mit der Sünde im Menschenauftritt. Will man jene Gesammtkraft, die ganze sittliche Ausrüstung, die der Menschvom Schöpfer empfangen hat, schon Gewissen nennen, so ist dem entgegenzuhalten, daßdiejenigen sittlichen Vorgänge in unserm Innern, die in allen Sprachen, welche dasWort Gewissen haben, mit diesem bezeichnet werden, einen durchaus bestimmten eigen-thümlichen Charakter haben, es also keineswegs zu Nutz und Frommen wahrer Wissen-schaft geschieht, wenn man durch Verallgemeinerung des Begriffs diese den Sprach-gebrauch bewährende und der Sache durchaus angemessene Bestimmtheit aufgiebt.

Denken wir uns einen Menschen von gediegenem Charakter, der seines Wollensund Handelns überall gewiß ist, der immer nach klarer Einsicht und gleichmäßigemHerzensantriebe handelt: ist es wohl, wenn wir genau zusehen, das Gewissen, was ihnbei jeder Handlung leitet? Wir sagen: Nein, es ist die Liebe, aus der die einzelnenEntschlüsse und Handlungen ebenso unmittelbar, so mit innerer Nothwendigkeit unddoch so frei, so freudig hervorgehen, wie der Strahl aus dem Lichtkörper, wie der Bachaus der Quelle. Den barmherzigen Samariter hat nicht sein Gewissen, sondern dieLiebe getrieben, dem Unglücklichen Hülfe zu leisten; und von Christus ist nirgends ge-sagt, es sei das Gewissen, das irgend eine seiner Thaten hervorgerufen habe; es warseine Speise, zu thun den Willen des Vaters im Himmel. Hiernach ist es schon eineVerwirrung der Begriffe, wenn man sagt, das Gewissen sei die ursprüngliche gesetzgebendeMacht im Menschen. Das Gesetz giebt ohnehin nur Gott; die ursprüngliche, mit derSchöpfung des Menschen zusammenfallende Gesetzgebung für ihn als sittliches Wesenhat aber in derselben Art stattgefunden, wie Gott auch jeder andern Creatur die Gesetze