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Gewerbeschulen.
Gewissen, Gewissenhaftigkeit.
muß erworben sein, wenn jene beginnt. Dadurch wird nicht ausgeschlossen, daß denSchülern der Gewerbeschule in facultativem Unterrichte Gelegenheit geboten werde, ihreallgemeine Bildung zu erweitern und zu vertiefen; es ist dies vielmehr in hohem Maßeempfehlenswert!). Nach technischer Seite ist es dringend wünschenswertst, daß derSchüler in die Gewerbeschule Anschauung von der Praxis seines Gewerbes mitbringeund daß er Gelegenheit habe, dieselbe lebendig zu erhalten und zu erweitern. — Alsdrittes wesentliches Glied in den gewerblichen Lehranstalten verdient die gewerblicheFortbildungsschule und die Vorbildung für dieselbe in Volksschulen und elementarerFortbildungsschule besonders große Sorgfalt.
In Bezug auf die den gewerblichen Bildungsanstalten zu steckenden Ziele und inBezug auf die Mittel, durch welche sie erreicht werden können, gehen die Ansichten nochweit auseinander; aber über Einen Punct hat meines Erachtens die Geschichte endgültigentschieden: die Organisaton des gestimmten Schulwesens muß von einem einheitlichenGedanken getragen sein und es ist nothwendig, daß aller öffentliche Unterrichtvom Unterrichtsmiuiste r ressortire. Daß dadurch nicht Uniformität herbeigeführtwerden soll, ist oben ausdrücklich ausgesprochen.
Literatur: Wer sich ein eigenes Urtheil bilden will, darf nicht unterlassen, dieProgramme der Schulen, sowie die Verordnungen und die anderweitigen Veröffent-lichungen der Behörden zu studiren; wer dieses große Material bewältigt hat, wirdnicht geneigt sein, sich in die numerisch sehr reiche Broschürenliteratur zu vertiefen.Unter deutschen Schriften, die hierher gehören, empfehlen sich vor anderen: Bücher,die gewerbliche Bildungsfrage, Eisenach, 1877, und Geisenheimer, die preußischenFachschulen, Breslau 1877. Gallenkamp.
Gewissen, Gewissenhaftigkeit. (Auswahl aus der Literatur: Waitz, allg. Päd.S. 185 ff. — Völter, von der Erziehung zur Gewissenhaftigkeit. Im südd. Schulb.1857, Nr. 10—12. Schlottmann, über den Begriff des Gewissens, in der Zeit-schrift für deutsche Theol. 1859. März, dir. 18 ff. — Güder, über die Lehre vomGewissen nach der Schrift, in Ullmann und Umbreits St. u. Krit. 1857. II. S. 246 ff.
— Beck, biblische Seeleulehre S. 71 f. — Delitzsch, biblische Psychologie S. 99 ff.
— Stäudlin, Geschichte der Lehre vom Gewissen 1824. — Kant, TugendlehreS. 98 ff. — Chalybäus, spec. Ethik. I. S. 224 ff. II. S. 507. — Wirth,Syst, der spec. Ethik. I. S. 93 ff. — Martensen, Grundriß des Systems derMoralphilosophie, S. 31 f. — Schwarz, theol. Ethik I. S. 154. — Daub, theol.Moral, I. S. 377 ff. — Rothe, theol. Ethik, I. H 147. — Marheineckc, theol.Moral. S. 154. — Harleß, christl. Ethik, tz 7—12. — Schenkel, in d. Zkrt.Gewissen in Herzogs theolog. Realencykl. B. V. S. 129 ff.)
Man sieht an dieser nur das Bedeutendere citirenden literarischen Notiz, daß dieWissenschaft nicht wenig Fleiß daran gewendet hat, den Begriff des Gewissens voll-ständig zu gewinnen und festzustellen. Gleichwohl wiederholen sich die Klagen immerwieder, daß (wie Güder a. a. O. sich ausdrückt) „ das Gewißeste unter dem Gewissen,obwohl in ihm der Anfang und innere Grund aller Wahrheit von oben beschlossen seinsoll, noch zur Stunde ein und dasselbe Loos theilt mit dem Ungewißesten unter demUngewißen." Desto mehr ist's für ein Glück zu achten, daß das Gewissen in denen,die eines haben, mit seiner ganzen Macht wirkt, auch ohne daß die Wissenschaft mitihrer Lampe dazu leuchtet, während diejenigen, die keines haben, sich auch durch dieevidenteste Demonstration keines aufnöthigen lassen. Trotzdem liegt es im Interesse derWissenschaft, der Durst nach Wahrheit nöthigt sie dazu, immer wieder dieses Wunder-bare in uns selbst zu untersuchen; namentlich aber bedarf der Pädagog als Theoretikerund als Praktiker einer möglichst klaren, selbständigen Einsicht in diesen Gegenstand,denn wenn die Erziehung (s. d. Art.) einen wesentlich ethischen Zweck hat, so steht dieErziehung des Gewissens, die Erziehung zur Gewissenhaftigkeit oben an unter den Auf-gaben derselben. Darin eben muß sich die wahrhaft christliche, wahrhaft evangelischeErziehung charakterisiren, daß sie jeden Zögling unter die Zucht seines eigenen Ge-