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Gewerbeschulen.
7 Stunden täglich, Vormittags 8 bis 12, Nachmittags 2 bis 5 Uhr ausgedehnt; dieAnforderungen an die Arbeitskraft der Schüler waren außerordentlich groß und steigertensich noch im Laufe der Jahre; es war kein leeres Wort, wenn Beuth einen „eisernen"Fleiß forderte; wer ihn nicht bethätigte, wurde ausgewiesen. Nachdem am 1. Nov. 1821die untere, am 1. Oct. 1822 die obere Classe, beide mit Jahrescursen eröffnet waren,stellte sich bald die Nothwendigkeit heraus, in der oberen Classe für solche Zöglinge,s welche sich den mechanischen Gewerben widmeten, den Cursus um '/s Jahr zu ver-
H längern; am 1. Oct. 1826 wurde für sie eine besondere Classe mit halbjährigem
r Cursus, die Suprema, eingerichtet. Gegenstände des Unterrichts waren 1821: In deruntern Classe: Geometrie, geknüpft an Zeichnen mit Lineal und Zirkel, ohneBeweise (4 Stunden wöchentlich); Rechnen, die gemeine Arithmetik, Proportional-rechnung, Decimal- und gemeine Brüche (4 Stunden wöchentlich).'") Naturkunde,> Physik und Chemie in einem gemeinschaftlichen Cursus, erstere in besonderer Beziehungauf die mechanischen Wissenschaften (4 Stunden wöchentlich). Zeichnen: u. Linear-zeichnen, nach den in der Ebene entworfenen Mustern, oder nach aufgestellten Körpern,ohne Theorie der Perspective (6 Stunden wöchentlich), b. freies Handzeichnen, vorzüg-lich nach Körpern, weniger nach Zeichnungen, in der Absicht genau zu sehen und dieFertigkeit zu erwerben, das Gesehene zu Papier zu bringen (6 Stunden wöchentlich)-In der oberen Classe: Mathematische Wissenschaften: im ersten Halb-jahre: Arithmetik und Algebra bis zu den Gleichungen 2ten Grades einschließlich;Geometrie mit Beweisen, Stereometrie; Perspective ohne Rechnung mit den Vorkennt-nissen der Geometrie der unteren Classe (10 Stunden wöchentlich); im zweiten Halb-, jahre: Trigonometrie (2 Stunden wöchentlich), Statik und Mechanik, praktische. Maschinenlehre ohne Beweise, verbunden mit dem dahin einschlagenden Theile der
! Technologie (8 Stunden wöchentlich). ^Naturkunde: Keine Physik, aber in der
Chemie im ersten Halbjahre die theoretische Chemie, Kenntnis der Reagenzien, diegewöhnlich gebräuchlichen Mittel der Analyse für die Arbeiten der Fabrikanten, noch-mals in größerem Umfange als im ersten Lehrgänge; im zweiten Halbjahre: Anwen-dung der Chemie auf Gegenstände unseres Bedürfnisses und auf einzelne Gewerbe;Eigenthümlichkeit und Gebrauch der Producte, Theorie der Fabrikation, Kostbarkeit derverschiedenen Darstellungsarten (4 Stunden wöchentlich). Zeichnen: das Maschinen-zeichnen und die freie Handzeichnung gehen hier mit Rücksicht auf den oben erwähntenUnterricht in der Perspective in erweitertem Maße fort. (8 Stunden wöchentlich.)
Es ist von bedeutendem culturhistorischen Interesse, die geringen Anfänge zu er-kennen, von denen aus sich die technischen Studien in dem kurzen Zeiträume einesi halben Jahrhunderts zu ihrem heutigen Umfange und zu ihrer heutigen Blüte ent-
I wickelt haben. Es würde viel zu viel Raum in Anspruch nehmen und nicht dem ent-
! sprechendes Interesse gewähren, wollten wir Schritt für Schritt Nachweisen, wie imLaufe der ersten Periode die Lehrziele in den einzelnen Objecten in die Höhe wuchsen,wie neue Lehrgegenstände ausgenommen wurden, in welcher Ausdehnung Laboratorien! und mechanische Werkstätten eingerichtet, ausgestattet und den Zöglingen zugänglich undnutzbar gemacht würden.
In den Vierziger Jahren hatten das Gewerbeinstitut in Berlin und dieGewerbeschulen in den Provinzen in stetiger und energischer Entwicklung die für siegegebenen Bestimmungen, obgleich auch diese Vervollkommnungen erfahren hatten, weitüberholt; hierin die nothwendige Uebereinstimmung wieder herbeizuführen, war dasBestreben des Handelsministeriums in den Jahren 1849/50; daraus sind die Ver-j: ordnungen vom 5. Juni 1850 hervorgegangen, welche die zweite Periode in-
b auguriren. In der diese Verordnungen begleitenden und erläuternden Circularver-
^ fügung an die Königl. Regierungen erklärt der Minister von der Heydt: „Die Auf-
*) Auch in der 1799 gegründeten Königl. Bauakademie zu Berlin gehörten nach dem Plane
von 1824, welcher bis 1831 in Kraft war, das gewöhnliche Rechnen mit ganzen Zahlen und Brüchenund die ersten Elemente der Geometrie zu den Unterrichtsgegenständcn.