Gespielen.
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selligkeit, nämlich die Berührung verschiedenartiger und mannigfaltiger Individualitäten,die mit mancherlei fremdartigen behaftet, die gegenseitige Anschauung wie die gegen-seitige Mittheilung herausfordern, den Kindern Einer Familie fehlt, da sie als GliederEines Organismus in einem zu gleichartigen Verhältnis stehen. Da bieten sich danndie Wtersgenossen aus anderen Familien zu willkommener Gesellschaft, d. h. als Spiel-geuossen an; denn wenn Kinder zusammenkommen, so kann der Zweck kein anderersein, als das gemeinsame Spiel. Obwohl nun in jener naiven glücklichen Zeit derKindheit, wo der Sinn für fremde Individualität sich erst eröffnet, die individuellenUnterschiede noch keineswegs scharf hervortreten, weshalb sich die Sprache hier auch desCollectivnamens „Gespielen' bedient, so wirken die Kinder doch bereits mit ihrerganzen vollen Individualität auf einander, denn sie geben sich in voller Freiheit. ImKreise der Gespielen braucht die Zucht, die auch das bestgeartete Kind als einen Druckempfindet, nicht unmittelbar zu walten; sie greift nur dann ein und zieht ihre Zügelan, wenn die Bewegung zu heftig wird oder auf falsche Bahnen geräth.*) Es waltetbereits der demokratische Geist des Spiels, wo jeder sich selbst Gesetz und Regel giebt,indem er freiwillig sich in die gemeinsame Thätigkeit einfügt. Die größere Tüchtigkeit,Gewandtheit und Kraft wird zwar auch hier den Borang behaupten, aber es darfdas Gefühl der Gleichheit doch keinen zu großen Abbruch erleiden. Bei Kindern ausverschiedenen Familien kann wegen der verschieden gearteten Individualität und ihrerverschiedenen Entwicklung auch bei einer Altersdifferenz von zwei Jahren des Anziehen-den genug vorhanden sein, ja es ist selbst von großem Nutzen, wenn etwas ältere undfähigere Gespielen mit jüngeren und schwächeren verkehren; ist aber ein Kind demanderen zu sehr voraus, so wird es nur zu leicht verleitet, seine Ueberlegenheit geltendzu machen und seinen Willen ausschließlich durchzusetzen. In der unbefangenen Weise,mit der sich die Gespielen einander hingeben und zusammen verkehren, reiben undschleifen sie nichts destoweniger ihre Ecken und Härten an einander ab; die Empfind-lichkeit und der Eigensinn müßen sich überwinden, die Weichlichkeit und Schwächesich schämen; viel intensiver, als es auf den ersten Anblick scheinen mag, werden bereitsdie sittlichen Ideen der Billigkeit und des Rechts, die sittlichen Gefühle der Theilnahmeund des Wohlwollens praktisch erlernt, d. h. geweckt und geübt. Der Gegensatz treibtzur Verschmelzung des Gleichartigen; die constant sich wiederholenden Vorstellungenverschiedener und doch gleichstrebender und gleichbegabter Einzelwesen bilden sich tiefder Seele ein und wachsen mit ihrem Lebesinteresse zusammen — es bildet sich un-vermerkt der Gemeinsinn, der über das mehr oder minder beschränkte Familien-interesse hinausgeht. Manche Unart, welche die Familie übersah oder Pflegte, kommterst unter den Gespielen zum Vorschein, und wiederum bemerkt und wägt das Kindmanchen Fehler an anderen, den es an sich selber nicht gewahrt. Da kann sich die Er-ziehung schon früh sittlich fördernd erweisen, indem sie das Kind vor lieblosem Urtheilwarnt, vor Angeberei und Schwatzhaftigkeit bewahrt und hingegen gewöhnt, bei Wahr-nehmung der Fehler anderer stets an die eigenen zu denken und einerseits demüthigzu werden, andererseits die rechte Haltung darin zu finden, daß es dem bösen Bei-spiele Widerstand leistet. So nöthig es auch ist, eine gewiße Vorsicht in der Auswahlder Gespielen zu beobachten, um schädliche Einflüsse fern zu halten: so darf man dochnicht zu ängstlich sein und etwa aus Furcht vor Einmischung unreiner Elemente dasKind vom Umgänge mit anderen, namentlich aus niederen Ständen, zu sehr abschließen.Auch Uber momentane Raufereien und Zänkereien mag man nicht zu sehr erschrecken;die Streithähne sind oft schon in der nächsten Stunde wieder die besten Freunde. NurZanksucht und boshafte Tücke werden fern gehalten; Absonderung ist da die beste
*) Selbst die Beobachtung und Beaufsichtigung soll wenigstens manchmal eine unmerklichesein und, wo sie unmöglich ist, dadurch ersetzt werden, daß man die Kinder gewöhnt, über dasTreiben mit den Gespielen vollkommen offen zu berichten und in Fällen von zweifelhafter Zu-läßigkeit erst die Eltern zu befragen.
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