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formen, deren diese gelehrte Schale dringend bedurfte. Die alten Schriftsteller warenaus ihr verdrängt, höchstens Cornelius Nepos noch in den Händen der Primaner;dafür waren christliche Lateiner eingeführt. Den Classikern wurde wieder Eingang ge-schafft und durch rasches Lesen ganzer Werke oder größerer Abschnitte Lust an derSache geweckt und Einsicht in das Ganze sicher gefördert. Zur Befestigung in demLateinschreiben wurden die sogenannten Extemporalien Angeführt und deren Correcturin einer die ganze Classe beschäftigenden Weise veranstaltet. Auf die Mathematikwurde ein größeres Gewicht gelegt und überhaupt nach neuen Grundsätzen der ganzeUnterrichtsplan umgestaltct. Für die Zucht, namentlich der Alumnen, sorgte er nichtbloß durch neue Gesetze 1733, sondern mehr noch durch kräftige Wahrung derselbenund umsichtiges Einschreiten gegen die Angerissenen Uebelstände. In wenigen Jahrenhatte die Thomasschule den Ruf ihrer Tüchtigkeit wieder erlangt und damit auch denRuf ihres ausgezeichneten Rectors fester begründet. Aber die Gunst, welche ihm dieseWirksamkeit bei den Vertretern der Stadt erwarb, zog ihm die Misgunst der Uni-versität zu und beraubte ihn jeder Aussicht auf eine akademische Thätigkeit, die seinenWünschen ganz entsprochen haben würde.
Da berief ihn Münchhausen an die neu zu errichtende Universität Göttingen fürdie Professur der Eloquenz, die er bereits im October 1734 antrat, obschon die feier-liche Einweihung erst am 17. September 1737 erfolgte. Hier eröffnete sich ihm eineThätigkeit, in der er 27 Jahre lang mit eben so großem Eifer als glänzendem Er-folge wirksam gewesen ist und die ihn so sehr befriedigte, daß er ohne Bedenken dieehrenvollsten Anträge zu anderen Stellungen ablehnte. Seine Vorlesungen bezogen sichauf Homer, Horaz, Cicero, Plinius und Sueton, auf griechische und römische Alter-thümcr, auf Kunstarchäologie, lateinischen Stil, Rhetorik und allgemeine Encyklopädie;auch neutestamentliche Schriften hat er philologisch erklärt. Daneben hat er dasphilologische Seminar geleitet und darin eine große Anzahl tüchtiger Schulmännergebildet, die ausgezeichnete Bibliothek begründet und bequem nutzbar gemacht, als Pro-grammatarius unzählige Gelcgcnheitsschriften in lateinischer und deutscher Sprache ge-liefert, das Präsidium der von ihm selbst 1738 gegründeten deutschen Gesellschaft ge-führt und die Direction der königlichen Societät der Wissenschaften, in die er gleich bei derStiftung am 23. Febr. 1751 als ordentliches Mitglied der historischen Classe ein-getreten war, von 1753 bis zu seinem Tode verwaltet. Seinen Verdiensten fehlteauch die Anerkennung nicht; er genoß das besondere Vertrauen des seltenen Staats-mannes, der durch die Curatel der Universität Güttingen sein Andenken in der Ge-schichte der Wissenschaften erhalten hat; sein Landesherr ernannte ihn 1756 zum Hof-rathe. Die Unruhen des siebenjährigen Krieges verschonten auch Göttingen nicht; beieiner Gesandtschaft an den Prinzen Taver von Kursachsen, der in der Nähe ein Lagerbezogen hatte, erkältete sich Gesner, seine Kräfte nahmen immer mehr ab und er starbam 3. August 1761.
Gesners Wirksamkeit ist für Deutschland epochemachend in der Geschichte derPhilologie und nicht minder bedeutsam sein Einfluß auf die Reform des höherenSchulwesens. Bei aller seiner Polyhistorie blieb doch das elastische Alterthum derMittelpunct seiner Arbeiten. In seinen Ausgaben der Schriftsteller hat er stets dasVerständnis derselben im Auge und Inhalt und Form blieben ihm dabei gleich wichtig.Man kann den Fortschritt, welchen er selbst in seinem Verfahren gemacht hat, an denLortxtorss isi rustioas (1735) und an Plinius (1739), Quintilian (1738) und be-sonders an Claudia» (1759) erkennen; der letztere ist die erste geschmackvolle Ausgabeeines Autors in Deutschland. Auf den Abdruck des Livius (1735) und den oft wieder-holten Baxter'schen Horaz lege ich geringeres Gewicht. Für griechische Literatur hat erselbst in der Orphica (1764) nicht so viel geleistet. In kritischer Beziehung begnügteer sich mit Nachbesserungen der überlieferten Lesart, für die ihm wiederholte Lectüredes ganzen Schriftstellers und das dadurch bedingte tiefere Eindringen in den ganzenschriftstellerischen Charakter desselben das erste Erfordernis war. Die Grundsätze für