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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Gesinde.

Gesner.

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bare anerkennt, was den Dienenden zum Freien macht. Das alles lernt das Kindnur, wenn es sieht, daß die Eltern die Domestiken christlich behandeln; es wird selbstneben solchem Beispiel noch mancher Erinnerungen bedürfen, um den so früh und somächtig sich regenden Hochmuth niederzuhalten. Wo aber die Eltern nicht einmalgerecht, geschweige denn human und rücksichtnehmend verfahren, also z. B. was dieKinder Uebles gemacht haben, den Dienstboten Schuld geben, jenen jede Lüge, diesennichts glauben, sie in der Gegenwart der Kinder ehrenrührig ausschelten oder garmißhandeln, da muß der Kinder eigenes Herz vergiftet werden, wofern nicht der natür-liche Gerechtigkeitssinn in ihnen sich wider die Nichtswürdigkeit der Eltern auflehnt,was zwar für sie ein günstiges Zeichen, für das Ganze des Familienlebens und derErziehung aber um so schlimmer ist. Besonders einem erkrankten Dienstboten gegen-über wird sich jene Humanität in ihrer rechten Größe bethätigen; da wird (statt sichdes Kranken über Hals und Kopf zu entledigen, wie es der vornehme und der bäurischeEgoismus thut) auch die Hausfrau sich nicht schämen, dem Leidenden solche Dienste zuthnn, die sie sonst von ihn: empfängt; da haben auch die Kinder Gelegenheit, zu zeigenoder zu lernen, daß die echte Christenliebe alles ansgleicht. Daß aber die christlicheAusgleichung der äußeren Standesunterschiede nothwendig mache, die Dienstboten nachalter bürgerlicher Sitte am Familientische mitspeisen zu lassen, das möchten wir nichtbehaupten; in kleineren, von Gästen selten besuchten Familien wird das ganz wohl aus-zuführen sein, in größeren aber schwer, aus verschiedenen Gründen. (Selbst Thiersch,der in seiner Schrift über christliches Familienleben, 3. Aust. S. 157—167 auch überdas Gesinde Treffliches sagt, fordert es nicht.) Desto unerläßlicher aber ist, daß dieDienstboten an der Hausandacht Theil nehmen dürfen — und nicht nur dürfen, sonderndaß ihre Anwesenheit als selbstverständliche Hausregel gilt, ebenso, daß ihnen an Sonn-und Festtagen der Besuch des Gottesdienstes regelmäßig gestattet wird und die Haus-frau lieber den Speisezettel darnach einrichtet, als daß sie jenes Christenrecht ihrenDienstboten verweigerte. Ja, wenn diese selber keine Lust dazu bezeugen, so muß dieHerrschaft den Gesichtspunct der Erziehung auch auf die Dienstboten, wie auf die Kinderanwenden: du gehst in die Kirche, ich will es haben, mein Haus gehört vollständig zurKirche. Auch an den Domestiken sollen die Kinder nicht sehen, daß man leben kannohne Gottes Wort und Sacrament. Palmer -t.

Gesner, Johann Matthias, ist am 9. April 1691 in dem kleinen StädtchenRoth an der Rezat im Ansbachischen geboren; seinen Vater, der dort Prediger war,verlor er schon, ehe er das zwölfte Lebensjahr erreichte hatte. Der talentvolle Knabeward von seinem Stiefvater, dem Pfarrer Zuckermantel, für das Gymnasium in Ans-bach vorbereitet. Als Currentschüler mußte er durch Singen vor den Häusern seinenUnterhalt erwerben; solche Noth stärkte seine Lust und Kraft. Er lenkte die Aufmerk-samkeit des Rector Köhler auf sich, der durch besondere schwierigere Aufgaben seinenScharfsinn weckte und seinen Lerneifer auf immer weitere Gebiete alter und neuerSprachen richtete. 1710 bezog er die Universität Jena, wo Buddeus nicht bloß seineäußere Lage dadurch, daß er ihn zum Unterrichten seines Sohnes in sein Haus auf-nahm, verbesserte, sondern auch durch Umgang und Bücher seine Studien förderte, sodaß er noch in Jena mit seinen ersten Schriften über Lucians Philopatris (1714) her-vortreten konnte. Der Plan, eine Art von pädagogischem Seminar zu errichten, ward1715 durch seine Berufung in das Conrectorat am Weimarischen Gymnasium unter-brochen. Dreizehn Jahre hat er hier gewirkt, glücklich in seiner äußern Lage und un-ausläßlich bemüht die Universalität seines Wissens weiter auszubilden, wozu er durchdie ihm übertragene Beaufsichtigung der Bibliothek die beste Gelegenheit fand. DerRegierungswechsel im Jahre 1728 störte die angenehmen Verhältnisse, weshalb Gesner1729 einen Ruf zum Rectorate in Ansbach bereitwillig annahm. Bei der übermäßigenArbeit, welche dies neue Amt ihm aufbürdete, konnte er seine wissenschaftlichen Arbeitennicht, wie er es wünschte, fördern und gicng deshalb im September 1730 als Rectoran die Thomasschulc in Leipzig. Auch hier galt seine Thätigkeit zunächst den Re-