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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Geschlechtliche Verirrungen.

Selbstmord, wenn dem Laster nicht entsagt werde. Die Belehrung durch Bücher ver-fehlt gerade in diesem Punet leicht ihren Zweck, weil die Vergleichung des eigenen re-lativ günstigen Zustands mit der extremen Darstellung der Schriftsteller den Gedankenan Uebertreibung zum Zweck des Abschreckens und an Ungcfährlichkeit des Lasters nahelegt; noch gefährlicher ist der gegenteilige Erfolg, wenn die Verzweiflung an dereigenen Gesundheit Platz greift. Sodann ermahne der Erzieher zur strengsten Auf-merksamkeit auf die Umstände, unter welchen der Anreiz zur einzelnen Sünde sich ent-wickelt, und dringe auf das ängstliche Vermeiden solcher Gelcgenheitsursachen. Durchdie Furcht vor empfindlichen Strafen zu wirken ist gewiß das zweckmäßigste, wenn essich nur um schlechte Gewohnheiten kleiner Kinder handelt; bei älteren Knaben undMädchen wird der Erfolg häufig nur im sorgfältigen Verheimlichen der Manipulationenund ihrer Spuren bestehen. Gewisse Strafarten, wie Einsperren ohne die Zeit er-schöpfende Arbeit, sind völlig verwerflich. Hauptsächlich aber ist auf das Ehrgefühl zuwirken, das ebenso wie die Willenskraft zur Bekämpfung eines so schmählichen Lasterszu schonen, aufzurichten und zu stärken ist. Was von sittlichem Gehalt noch in derSeele vorhanden, suche man mit Ekel zu erfüllen. Und die entsetzliche Schande, wenn solcheErbärmlichkeit den Altersgenossen, den Eltern u. s. w. bekannt würde! — Auch reli-giöse Erschütterung kann von ganz heilsamem Erfolg sein. Auf manchen wird der Ge-danke an den Kummer der Eltern über ihr gesunkenes Kind und die Berufung an dieStimme des eigenen Gewissens am tiefsten wirken; solchen religiösen Einflüssen be-sonders zugängliche Naturen werden unter Leitung ihres schärferen Gewissens undunter häufigem Aufblick zu Gott mancher Gefahr entgehen, sie werden aber auch viel-leicht einzelnen Versuchungen erliegen und dann eher des Trostes als der Strenge be-dürfen. Jedenfalls hüte man sich vor Uebertreibungen und stürze den Schuldbewußtennicht in Verzweiflung. — Unter Umständen mag es auch passend sein, das reine zu-friedene Glück gesunder, mit gesunden Kindern gesegneter Ehegatten, die Wonne dernaturgemäßen, zugleich mit Sitte und Gesetz übereinstimmenden LiebeOck^88ss XXIII. 30M vorzuhalten, ein Glück, dessen der Onanist durch Fortsetzungseines Lasters zum voraus sich beraube. Man könnte auch daran erinnern, daß solcheunnatürliche Reizungen eigentlich nicht einmal Lust und Befriedigung gewähren, sondernnur einen Wechsel von Erregung und Erschöpfung Hervorbringen, und bemerken, daß! die unnatürliche zur naturgemäßen Wollust etwa so sich verhalten möge, wie Fusel-

> schnaps zu edlem Wein. — Dem Gebesserten und Geheilten droht die Gefahr des Rück-

! falles. Aufs strengste ist er darin zu überwachen und ist ihm auch für spätere Zeit

; zu empfehlen, daß er jede Gelegenheit zu unnützer, resultatloser geschlechtlicher Auf-

! regung meide und namentlich auch die obenerwähnte so äußerst schädliche Gedankenun-^ zucht, wenn sie einmal glücklich überwunden ist, nicht wieder Platz greifen lasse. — Aber

; die moralischen Mittel allein werden nicht immer zum Ziel führen, denn der Onanist,

! dem das Laster zur Gewohnheit geworden, ist ein kranker Mensch, ebenso wie derhabituelle Schnapssäufer, der Opiumraucher u. dergl. Er möchte wohl umkehren, aberer kann nicht, und „mit guten Vorsätzen ist der Weg zur Hölle gepflastert."

Somit erfordert die Onanie eine somatische, theils diätetische, theils im engernj Sinn medicinische Behandlung und ist noch anzugeben, was ohne speciellen ärztlichen Rathund neben solchem — der bei eingetretener wirklicher Spermatorrhoe durchaus unentbehrlichj ist—zu thun sei. Die mechanischen Mittel, die schon erdacht wurden, haben im allgemeinen

! keinen Werth. Das Befestigen der Hände an den Bettstücken oder ihre Verwahrung

! mit Fausthandschuhen von grobem Stoff könnte bei kleinen Kindern etwas nützen.

! Sonst müßten auch die Schenkel durch Riemen u. dergl. festgehalten werden. Einem

§ Knaben von 1 V 2 Jahren, der fort und fort die übereinander geschlagenen Schenkel an

I einander rieb, konnte das Spiel nur dadurch verwehrt werden, daß man einen gepolsterten

l Keil zwischen die Unterschenkel steckte und die Füßchen festwickelte. Je nach den besonderen

Umständen wird man bald so bald anders sich helfen. In den Irrenanstalten bedientj man sich häufig der Zwangsjacke, oft neben dem Einbinden in den englischen Stuhl.