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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Geschlechtliche Verirrungen.

Eine kürzlich erschienene Schrift: „über die Keuschheit der Knaben und Jünglinge',dringt entschieden darauf. Soll dieser Grundsatz auch auf Mädchen Anwendungfinden? Daß ein Menschenkind nicht anders zur Welt kommt, als junge Hunde undKatzen, Kälber und Ferkel, das erfährt nicht nur der Bauernjunge bald genug, sondernbleibt auch der städtischen Jugend wohl nicht lang verborgen. Länger mag der Vor-gang der Zeugung im Dunkel bleiben, wiewohl die Hundebevölkerung Deutschlandszum Anblick praktischer Demonstrationen mehr als ausreichende Gelegenheit giebt.Jedenfalls kann der Religionsunterricht und namentlich der Confirinationsuuterrichtdiese Verhältnisse nicht mit Stillschweigen übergehen. Wir werden dem richtigen Taktdes Religionslehrers zu überlassen haben, daß er, so weit es um allgemeine Be-lehrung sich handelt, nicht zu wenig und nicht zu viel thut. Für besondere Fällemögen Vater oder Mutter, ältere Brüder oder Schwestern, Freunde oder Freundinneneintreten. Jedenfalls sind Warnungen und Ermahnungen mit Vorsicht und wohl nieohne bestimmten Anlaß anzuweuden. In besonders ernstem feierlichem Tone und ohneAngabe von Gründen vorgebrachte Warnungen vor dem Verstecken der Hände in denKleidern und unter der Bettdecke, vor dem Uebereinanderschlagen der Beine und der-gleichen könnten die Kinder stutzig machen, zum Grübeln veranlassen und das Gegentheilder beabsichtigten Wirkung Hervorbringen.

Wenn in einer Schule ein Verdächtiger sich findet oder deren mehrere sind, solldann Belehrung und Warnung an den Einzelnen unter vier Augen oder an die ganzeClasse gerichtet werden? Letzteres wird jedenfalls nur mit Vorsicht geschehen dürfen.Man wird sich auf Andeutung des Lasters selbst beschränken und auf seine Schädlich-keit und Gefahren Hinweisen, dabei merken lassen, daß man die Sünder wohl errathenkönne. Oeffentliche Anklage einzelner, die damit gebrandmarkt und der Verachtungpreisgegeben wären, wird im ganzen nichts nützen, auf den Betroffenen aber nur nach-theilig wirken. Ueberwiesene unverbesserliche Onanisten möge man zur Verhütung vonAnsteckung der anderen ohne Aussehen aus der Schule oder Erziehungsanstalt entfernen.Jeder Onanist ist eine Gefahr für die Reinen, weil sein Beispiel contagiös wirktund die Masturbation hat, wie selten ein anderes Laster, die Neigung sich auszudehnen.Erfahrungsgemäß ist es wirklich seltsam, mit welch cynischer Schamlosigkeit ältereKnaben den jüngeren das Laster mittheilen, wie sie gleichsam ein gewißes Interessedaran haben, Genossen ihrer Schandthat zu finden. So kann es kommen, daß ganzeClassen wie von einem schlimmen Contagium ergriffen sind und daß die Onaniezuweilen mit einer Offenheit und Rücksichtslosigkeit gehandhabt wird, die ans Un-glaubliche grenzt.

Auf den Befallenen selbst ist zunächst soweit möglich durch moralische Mittel ein-zuwirken. Diese Belehrungen und Warnungen können nach Umständen vom Erzieheroder von dem Vater oder durch einen andern Mann, der durch seine Stellung zumBefleckten berechtigt, durch Wohlwollen und Erfahrung geeignet ist in seine tiefsten Ge-heimnisse zu dringen, mündlich oder auch mit Hülfe eines passenden gedruckten Rathesgeschehen. (Bei Mädchen fällt selbstverständlich die Aufgabe der Erzieherin, der Mutteru. s. w. zu). Erfahrene Erzieher bemerken, daß verständige Mitschüler durch ihreWarnungen meist mehr ausrichten, als die Vorgesetzten; diesen wie den Eltern wirdes also zukommen, sich einer solchen Mittelsperson zu bedienen. Die Leitung desVerirrten muß je nach seinem Alter, seiner intellectuellen und sittlichen Entwicklung,seinem natürlichen Verstände und seiner Gemüthsanlage und nach Dauer, Grad und Fol-gen des Uebels bemessen werden; daher lassen sich nur die allgemeinen Gesichtspuncte desVerfahrens aufstellen. Auch durch den besten gedruckten Rath kann die individualistrtepersönliche Belehrung und Warnung nicht ganz ersetzt werden. Der Erzieher wendesich zunächst an den Verstand; er lege unumwunden dar, welche Folgen das Nebel bis-her gehabt hat, namentlich welche Schwächung des Körpers und der geistigen Kräftedaraus hervorgegangen sei, und knüpfe daran eine ernste Belehrung über die mög-lichen schweren Einbußen an Gesundheit, Lebensdauer und Lebensglück, den langsamen