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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Geschlechtliche Verirrungen.

in Bett- und Leibwäsche; erscheinen sie selten, so können sie auf den normalen nächtlichenPollutionen beruhen; häufige Flecken, zumal bei entschiedenem Misverhältnis zwischenAlter, Constitution und Lebensweise und der Zahl der Wiederholung, ebenso die Spurenvon Tagespollutionen, seien sie willkürlich oder unwillkürlich entstanden, betrachte manstets als abnorm, und wenn auch die einzelne Entleerung eine zufällige war, darf mandoch in der Regel auf physische oder psychische, noch fortdauernde oder doch früher getriebeneOnanie schließen. In dem letzteren Fall wird auch dem wegen des Leidens zu Rathgezogenen Arzt häufig die Ursache verschwiegen. — Flecke in der Bettwäsche von Mäd-chen sind nicht charakteristisch, aber bei häufigerem Vorkommen neben sonstiger Reinlich-keit beziehen sie sich auf einen Schleimfluß und dergl., also auf etwas krankhaftes unddaher näher zu beachtendes, oder auf Masturbation. — Wenn es sich nun darum handelt,auf dringende Verdachtsgründe hin durch eine Unterredung mit dem Befleckten für sichselbst die volle Ueberzeuguug zu gewinnen, um sofort die geeigneten Maßregeln einzu-leiten, so ist zu erwägen, daß ein offenes Geständnis zumal bei Knaben selten und umso weniger erfolgt, je mehr die Furcht vor Strafe und die Aussicht auf erfolgreichesAbleugnen vorherrscht. Man wird daher in einer ernsten aber liebevoll bekümmertenWeise den Verdächtigen auf die unleugbaren Thatsachen, namentlich auf die Veränderungseines psychischen Wesens und auf die Anzeichen gestörter Gesundheit, endlich auf dieangeführten directen Jndicien aufmerksam machen, wird auch nach Merkmalen fragen,deren Zusammenhang mit den Geschlechtssunden nur dem Sachverständigen bekannt ist,und aus ihrem Zugeständnis einen überraschenden Beweis ableiten; das ganze Be-nehmen des wirklich Befleckten bei einer solchen Unterredung wird den Menschenkennergenugsam aufklären und für ihn bedarf es keines unumwundenen Bekenntnisses, wennschließlich die Frage auf einen, wie man hoffe, in seiner Verderblichkeit nicht begriffenenMisbrauch der Geschlechtsteile gerichtet wird. Der Unschuldige, zumal der noch keineVorstellung von der fraglichen Verirrung besitzt, wird sich leicht unterscheiden von demverstockten Schuldbewußten. Ein Geständnis wird eher auf Fragen nach einzelnenunreinen Acten als nach einer Gewohnheit erfolgen.

Die Bekämpfung des Uebels besteht theils in Verhütung, theils in Heilung.Die Heilung des Uebels, wenn es zum Laster geworden, gelingt in den früheren Knaben-und Mädchenjahren schwer, eher noch in der späteren Jugendzeit; in diesem Zeitraum gehtes aber häufig über in natürliche geschlechtliche Ausschweifungen, zumal bei Jünglingen,oder wenn auch der mechanische Misbrauch unterlassen bleibt, besteht doch bei beiden Ge-schlechtern die Ausschweifung der Phantasie noch fort. Ob die Folgen heilbar sein werden,hängt ganz von ihrer Beschaffenheit, Dauer und Intensität ab; im allgemeinen lehrt dieErfahrung daß eine gewiße Schwächlichkeit des Organismus bis ins reife Mannesaltcrund selbst lebenslänglich fortbesteht; war Hypochondrie oder Hysterie oder Epilepsieoder Seelenstörung zu Stande gekommen, so ist eine dauernde und vollständige Her-stellung der Gesundheit nicht mehr zu erwarten. Bei dieser Sachlage und bei derebenso wesentlichen Rücksicht auf die Verderbnis des Charakters besteht die erste Aufgabedes Erziehers und Arztes in der Verhütung. Es handelt sich also vor allem umVermeidnng der oben angegebenen Ursachen. Kleine Kinder müßen jedesmal soforttüchtig auf die Hand geklopft werden; diese Zucht wird bei gesunden Kindern undbei gehöriger Aufmerksamkeit der Mutter das Uebel im Keim ertödten. Sobald dasKind die nöthige Fassungskraft besitzt, so bezeichne man ihm jederlei Betastung derSchamtheile als garstig, wüst, unsauber, wovor sich ein gutes Kind zu schämen habe-Sodann aber ist beim Knaben und Mädchen wie später in den Jahren der Entwicklungzu Jüngling und Jungfrau durch die Gesammtheit der Erziehung eine solche natur-gemäße nicht übereilte harmonische Entwicklung und kräftige Gesundheit des ganzenMenschen, des Leibes wie des Geistes, zu erstreben, daß derselbe physisch und moralischin den Stand gesetzt werde, den Anreizen zu Wollustsünden zu widerstehen. Die Ueber-wachung und Leitung durch Eltern, Erzieher und Lehrer hat Lebensweise, Beschäftigung,Benehmen und Verkehr mit anderen ins Auge zu fassen und ist auf Förderung eines