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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Geschlechtliche Verirrungen.

sind größtenteils davon abhängig, daß in den Entwicklungsjahren die theils schon ein-getretenen, theils noch drohenden schlimmen Folgen zum Verständnis kommen und Reue,tiefstes Schamgefühl, nicht selten Verzweiflung an sich selbst, zumal nach Rückfällen, dasBewußtsein beherrscht. — In diesem Zustande liegt die größte Wahrscheinlichkeit derHeilung, aber auch die Gefahr eines Uebergangs zur Hysterie, Hypochondrie, Melancholieund eigentlicher schwererer Seelenstörung. Dabei ist ganz besonders zu beachten die Ge-fahr falscher Belehrung.. Die Uebertreibungen in wohlgemeinten Schriften über Onanie,noch mehr aber die schändliche Speculation einer fort und fort ihr Unwesen treibendenpopulären Literatur, welche, um Käufer für ein Geheimmittel oder Kunden für einen „ inder Behandlung von Geschlechtskrankheiten besonders erfahrenen Arzt" zu werben, die Be-hafteten geflissentlich in größte Sorge und Angst setzt, dazu nicht selten eine Geldsummezu erpressen sucht, welche das Vermögen der Unglücklichen übersteigt, bewirken sehr häufigeine dauernde krankhafte Richtung auf die Beobachtung der Körperzustände oder beigefühlvollen Naturen Schwermuth. Auch allzu strenge Einwirkungen der Beichtväter(z. B. Jesuitenmissionen) können notorisch diesen Ausgang herbeiführen. Es ist einwahres Unglück, daß die Mehrzahl solcher Leidender so lang zögert und sich sträubt,bis sie endlich ärztlichen Rath suchen. Der Kranke sieht, wie der gefürchtete Abflußfortdauert und alle seine Bemühungen, ihm Einhalt zu thun, vergeblich sind, wie dabeiseine Kraft täglich abnimmt, und seine Phantasie erhöht zehnfach die jetzt schon vor-handene wirkliche Gefahr. Da legt er niedergedrückt von Scham ein Bekenntnis ab,von dem er denkt, daß es dem Ohr des Arztes schrecklich klingen werde. Wüßte ernur, wie wenig der Arzt, der das Schlimmste gesehen hat, was Krankheit und Thor-heit thun können, daran denkt, seine knabenhaften Verirrungen, seine Leiden zu ernst zubeurteilen. Glücklich für ihn, wenn seine Erzählung zu den Ohren eines wohlwollendenund geschickten Mannes gelangt, dessen Bemühen darauf gerichtet sein wird, die Wundenseines blutenden Gewissens zu verbinden und seine Krankheit zu heilen, nicht zu den Ohreneines annoncirendeu und unwissenden Empirikers, der die Leiden seiner Mitmenschen zuseinem Vortheil ausbeutet.

Alle bisher genannten Erscheinungen können einen entfernten oder dringenden Ver-dacht begründen. Charakteristisch für die Erkennung der Onanie ist ungünstige Ver-änderung der geistigen Tätigkeiten, des Betragens, des Charakters und der Denk-weise, die namentlich bei Knaben in ihrem Verhalten gegen die Ansprüche der Schulesich kund giebt. Die sichere Kenntnis davon, daß der Einzelne mit dem Nebelbehaftet sei, kann sich stützen auf Denunciation, auf Ertappen während der That undauf sonstige Ueberführung, endlich auf directes oder indirectes Eingeständnis. Ist derVerdacht erwacht, so hüte man sich, sofort ein Geständnis erpressen zu wollen. Er-zieher werden, ehe sie weiter gehen, durch stille nähere Beobachtung den Sachver-halt genauer zu ergründen suchen, auch das Ueberraschen auf der That wird alsdanneher möglich sein. Nur soll man nicht meinen, Kratzen in der Gegend der Schamtheile,wenn es da juckt, etwa wegen Ausschlag oder Flohstich, sei gleich als Onanie zu deuten.Ebensowenig würde eine entdeckte Erection oder ein ähnlicher Zustand, der schon beikleinen Kindern ganz normaler Weise mitunter vorkommt, an sich einen Beweis abgeben.Ganz besondere Vorsicht ist auch nöthig, daß nicht durch ungeschickte Warnung diekindliche Neugier gerade gereizt und auf diesen Gegenstand gelenkt werde; man nehmesich wohl in Acht, wegen eines der angegebenen Merkmale ein Kind sofort dieser Sündezu beschuldigen und so vielleicht dasselbe um seine kindliche Unwissenheit in diesenDingen, welche besser als alle Warrkung ist, zu bringen. Man beachte besonders, obnicht in vermeintlich unbewachten Augenblicken die Hände zu den Geschlechtstheilen ge-führt, unanständige Stellungen oder Bewegungen vorgenommen werden, ob der Verdäch-tige ungewöhnlich lang auf dem Abtritt zu verweilen pflegt oder sonst die Einsamkeit suchtund dann beim Befragen nach dem Grund, etwa auch auf vorsichtige Andeutungen eineauffallende Erregung, Reizbarkeit oder Verlegenheit zeigt, vielleicht) auch Blässe und Abspan-nung zu bemerken ist. — Eigentümlich im Aussehen und sür's Anfühlen sind die Samenflecken