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Geschlechtliche Verirrungen.
dem Erwachen Müdigkeit und ein Gefühl von Steifheit im Rücken und in den Beinen ^
und ein Bedürfnis sich zu strecken und zu dehnen. Schreitet die Krankheit weiter, so ver-
läßt die Müdigkeit den Patienten den ganzen Tag über nicht. Dazu kommt manchmalein lästiges Gefühl von Unruhe, ein beständiger Drang sich hin und her zu bewegen,auch Zittern der Beine und Hände, Zuckungen, namentlich unwillkürliche Bewegungenbei plötzlichen Sinneseindrücken. Sodann Störungen im Gebiet der Empfindungs-nerven, Gefühl von Taubheit längs des Rückgrats, in den unteren Gliedmaßen oder I
in den Fingern, wechselnd bald da, bald dort, oder auch übermäßige Empfindlichkeit "
und allerlei krankhafte Empfindungen, z. B. das sogenannte Ameisenkriechen, Frösteln,wechselnde Empfindungen von Kälte und Hitze („fliegende Hitze"); endlich Lähmungenund überhaupt Erscheinungen der Rückenmarksschwindsucht. — Störungen des Gesichts,Gehörs, des Geschmacks, Geruchs: Abnahme der Sehschärfe oder der Feinheit des Ge-hörs, Ohrensausen, Hallueinationen; Katarrh der Athmungsorgane, Schwerathmigkeit, !matte veränderte Stimme; zuweilen Stottern, Zittern und Schwere der Zunge undundeutliche Sprache; Herzklopfen, Athembeschwerden; Verdauungsbeschwerden, mitunterrecht guter Appetit, selbst Heißhunger neben schlechter Verdauung, hartnäckige Ver-stopfung. Das Aussehen ist oft gut, selbst blühend, doch nicht selten zeigt sich auchAbmagerung (übrigens bei raschem Wachsthum auch sonst etwas ganz gewöhnliches) undBlässe, die sogenannten blauen Ringe unter den Augen, Muskeln schlaff, Haut welkund trocken, leidender, vorzeitig gealterter Gesichtsausdruck, oder auch ein schwammigesgedunsenes Aussehen. Unter den örtlichen Erscheinungen sind namentlich zu erwähnen:häufiges Bedürfnis zum Harnen, Nachtröpfeln des Urins, allerlei schmerzhafte Empfin-dungen in den Geschlechtstheilen, besonders den Hoden; endlich als spätere, in denmeisten Fällen doch durch ein zweckmäßiges Verfahren zu beseitigende Folge schwachePotenz und Impotenz, deren Grund oft weniger in wirklicher Schwäche, als in demdurch das schlechte Gewissen hervorgerufenen Mangel an Selbstvertrauen liegt. — Auchwird erfahrungsgemäß als häufig und mitunter charakteristisch bezeichnet eine gewißeSchüchternheit, Scheu und Aengstlichkeit, besonders in weiblicher Gesellschaft, welche vonunbefangener oder unbeholfener Zurückhaltung und Mangel an Gewandtheit wohl zuunterscheiden ist. — Bei Mädchen sind als Folge der Schleimflüsse besonders zu nennendie mannigfachen Erscheinungen der Bleichsucht, der zu frühen, unregelmäßigen, schinerz-haften Menstruation und der Hysterie, sodann Unfruchtbarkeit, oft auch Unfähigkeit zurErfüllung der ehelichen Pflichten. Im psychischen Verhalten wird man auch bei Mädchenbald mehr bald weniger die S. 1027 angegebenen Erscheinungen, nicht selten nament-lich ein weinerliches Wesen finden. —- Hier ist auch die Frage zu beantworten, warum,wie die Erfahrung zeigt, natürliche Ausschweifungen, abgesehen von Ansteckung, immernoch weniger schädliche Folgen nach sich ziehen, als Onanie. Der naturgemäße Act,auch im Uebermaß ausgeübt, wirkt doch auf die Nerven anregend, Onanie nur schwä-chend und deprimirend. Die wichtigsten Gründe aber sind: Die Onanie wird meistsehr früh begonnen und die Onanisten fröhnen ihrem Laster weit häufiger, als beinatürlichen Ausschweifungen thunlich ist. Die Gelegenheit ist so zu sagen fortwährend ^
vorhanden; es gehört sogar nicht einmal eine Erection zur Ausführung dieses Treibens; !
so werden solche unglückliche Individuen ganz maßlos in ihrem Laster. Daraus, daßder Onanist von äußeren Verhältnissen ganz unabhängig auf seine eigene Willenskraftangewiesen ist, die rasch mehr und mehr erlahmt, ergiebt sich weiter, daß er auch weitschwieriger von seiner Gewohnheit Massen kann, als der Anhänger natürlicher Wollust,der mit anderweitigen Umständen sehr zu rechnen hat. Es hat verheiratete Männergegeben, die sich von dem Laster nicht losmachen konnten. Die Macht der Gewohnheit j
ist in dieser Beziehung für manche Personen ganz unbezwingbar. — Das aber ist ja j
nicht zu übersehen, daß auch Erkrankungen des Gehirns oder Rückenmarks die ursprüng-liche Ursache, dagegen heftige quälende Erectionen, häufigere Pollutionen, sodann Onanie !
oder andere Ausschweifungen die Folge sein können. Die Unterscheidung wird nur der ,
Arzt und auch dieser oft schwer finden. — Die secundären psychischen Folgen der Onanie