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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Geschlechtliche Verirrungen.

unverhohlener Gespräche über die Geschlechtsverhältnisse, namentlich auch unzüchtigerroher Lieder oder sprüchwörtlicher Redensarten; das Anschanen gewißer sinnlicher Lieb-kosungen oder schlupftiger Bilder und das Lesen verführerischer oder allzu unverhülltersexueller Darstellungen. In letzterer Hinsicht können zahlreiche Stellen des AltenTestaments, vielleicht auch einige des Neuen Bedenken erregen. Doch wird aus denan unserm Landvolk gernachten Erfahrungen der Kundige den Schluß ziehen, daß un-befangen naive oder auch rohe Behandlung solcher Dinge weniger schadet, als raffinirte,zweideutige halbe Verhüllung. Daß dieselben Ursachen nicht jedesmal dieselben Wir-kungen Hervorbringen, das ergiebt sich schon aus den verschiedenen Graden der Sinn-lichkeit bei verschiedenen Menschen und bei demselben Menschen zu verschiedenen Zeitenund aus den verschiedenen Graden der physischen und moralischen Widerstandskraft.Namentlich kann auch Uebermaß geistiger Getränke zu Rückfällen in die frühere Ge-wohnheit der Onanie oder zu natürlichen Ausschweifungen führen.

Uebergehend auf die Schilderung des Uebels und seiner Folgen kann solche nichtbesser gegeben werden, als mit dem Bild, das nach unmittelbarer eigener Beobachtungaus Anlaß einer zum Glück seltenen, nach Art einer schrecklichen Epidemie eingerissenenVerbreitung des Lasters im Jahr 1829 von K. L. Roth entworfen wurde: »Es giebtüberall Unglückliche, an deren elendem Zustande man die Folgen jenes Lasters war-nehmen kann. Völlige Abstumpfung der Geisteskräfte, ein dumpfes, stieres Hinbrütenohne allen Trieb zu irgend einer Thätigkeit, gänzliche Unbrauchbarkeit selbst zu denleichtesten Handarbeiten ist bei einem Theile dieser Unglücklichen die Folge jenes Lasters;bei einem andern Ueberreizung und Ueberspannung der Nerven, heftige Affecte beiaugenblicklich zusammensinkender Kraft, Unfähigkeit zur Fortpflanzung des Geschlechts,apoplektische Anfälle, Verrücktheit, plötzlicher Tod; bei allen aber Schwächung derGeisteskraft überhaupt, vornehmlich des Gedächtnisses; Unfähigkeit, ihr Nachdenken aufeinen Gegenstand zu fixiren, Zaghaftigkeit bei allem, was ihnen schwierig vorkommt;Trägheit auch zu dein leichtesten Geschäfte, Verderbnis der Phantasie, welche aus ihrenunzüchtigen Träumen nicht herauskommen kann; Lügenhaftigkeit in einem ganz un-glaublichen Grade; Freude an allem Schlechten, besonders auch am Quälen der Thiere.Wenn auch diese Erscheinungen bei einem Individuum, welches vielleicht einige Monateoder ein Jahr lang mit diesem Uebel behaftet ist, noch nicht alle, oder noch nicht inauffallender Stärke hervortreten, so sind sie nach allgemeinen und vielfältigen Be-obachtungen doch alle zu erwarten, sofern dem Laster nicht ernstlich begegnet wird; undaufmerksame Väter und Mütter werden, wenn sie wollen, den Anfang jener Er-scheinungen auch da bemerken können, wo das Kind nur erst kürzere Zeit in jene

Sünde gerathen ist.Kinder, welche angefangen haben, jene Sünden zu treiben,

und zwar Kinder beider Geschlechter, suchen die Einsamkeit, verweilen ungewöhnlichlange ans den Abtritten, bleiben gerne morgens wachend in: Bette liegen, stehen gernedabei, wenn andere Kinder, besonders vom andern Geschlechte, entkleidet werden, be-trachten auch vornehmlich mit Wohlgefallen solche Bilder, auf welchen die unteren Theiledes menschlichen Körpers nackt erscheinen; ihre Späße nähern sich dem unfläthigenWesen: sie scherzen über diejenigen natürlichen Dinge, welche, ohne unzüchtig zu sein,doch nicht ein Gegenstand der Unterhaltung sein sollen; ihre Hände haben eine be-ständige Hinneigung gegen die unteren Theile des Leibes, und zwar auf beiden Seiten,wiewohl besonders auf die vordere; sie verlieren den muntern kinolichen Blick, mit demdas Kind dem Vater und der Mutter ins Auge schaut, und vermeiden den festen, auchfreundlichen Blick der' Erwachsenen; ihr ganzes Wesen wird scheuer, schüchterner, reiz-barer; sie fangen leichter an, Uber Kleinigkeiten in Thränen auszubrechen; ihre Farbewird lebloser, grauer; um die Augen bilden sich bläuliche Ringe; sie werden ungleicherin der Eßlust, und eben damit genäschiger, als ein Kind im natürlichen Zustande;sie werden schläfrig zur ungewohnten Zeit; die Stetigkeit ihrer Hand nimmt mehrab, als zu; eben dadurch wird ihre Handschrift — was bei vielen schon ein Mittelzur Entdeckung des Uebels geworden ist — so schwankend, daß sie stets unreine Schrift-

Päda«. Enc-klopädie. II. L. Aufl. 65