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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Geschlechtliche Verirrungen.

züge machen, ihre Schreibebücher viel mit Tinte beflecken, niemals auf der Liniebleiben, sondern theils über, theils unter dieselbe die Buchstaben setzen, die Buchstabenselbst bald zu groß, bald zu klein machen und Papier, Bücher und Hände unaufhörlichbeschmutzen. Mit dem offenen Blicke des Auges und der echt kindlichen Munterkeitverliert sich das Zutrauen zu den Erwachsenen, vornehmlich zu ihren Erziehern undLehrern; sie verbergen auch solche Dinge, die nicht zu verbergen sind, fürchten, wonichts zu fürchten ist, und zeigen eine Verlegenheit, welche viel weniger der kindlichenBescheidenheit, als der Verstocktheit gleich sicht. Sie fangen an, sich ihren Ver-pflichtungen, besonders für die Schule, zu entziehen, und alle Vorwände und Ausredenzu gebrauchen, ja nach und nach mit großer Fertigkeit zu lügen und sich überhauptzu einer gewißen unnatürlichen Arglist auszubilden."

Bei der Betrachtung der Folgen der Selbstbefleckung muß uns vor allem klar sein, daßje nach dein Grade derselben, nach dem Alterund Geschlecht, der ganzen Organisation und denLebensverhältnissen des Individuums, endlich je nach der Betheiligung der Phantasie die Wir-kungen sich verschieden gestalten werden. Der größte Jrrthum wäre die Annahme eines all-gemeinen Krankheitsbildes. Am wenigsten darf man auf einzelne Erscheinungen, als wärensie sichere Merkmale, Gewicht legen. Bei der großen Mannigfaltigkeit der Folgeerscheinungenmäßen wir daher den Satz aufstellen, aus diesen allen lasse sich das Vorhandenseindes llebels nur dann mit Wahrscheinlichkeit oder Sicherheit schließen, wenn eineaus keiner andern Ursache zu erklärende krankhafte Veränderungeines Individuums nach seiner physischen und psychischen Seite sichentwickelt. Hiemit sei auf die gewiß oft unterschätzte Gefahr einer Verwechslungder Krankheitszeichen der Onanie mit dem Symptomencomplepe z. B. von Wurmleiden,Skropheln und Tuberkeln im Knabenalter, oder zufälligen Leiden der Geschlechtsorgane,chlorotischer Blutmischung und hysterischer Nervenreizung während und nach der Puber-tätszeit, endlich selbständigen Erkrankungen des Gehirns oder Rückenmarks aufmerksamgemacht. Der erfahrene Beobachter mag immerhin aus einer gewißen Gesammtheitvon Erscheinungen sich leicht ein wahrscheinliches Urtheil bilden, zum heilenden Ein-schreiten sollte er jedoch erst nach dein Erheben sicherer Zeichen sich entschließen, währendman bei bloßem Verdacht allgemeine Warnungen und dergl. für gerechtfertigt halten kann.Endlich bleiben einzelne Verirrungen ohne Spuren und Folgen. Selbstverständlich sinddie Folgen verschiedener Art beim männlichen und beim weiblichen Geschlecht, in beidenFällen vor Beginn der Pubertäts-Entwicklung, während und nach derselben. — In ersterLinie handelt es sich um die Wirkung auf das Nervensystem, auf Gehirn und Rücken-mark, die ja mit den Geschlechtsorganen in der lebhaftesten Wechselwirkung stehen.Das Ergebnis der bis jetzt augestellten Untersuchungen ist, daß die Zustände der Ge-schlechtsorgane, Erection, Bewegungen, Absonderungen in specieller Beziehung zu gewißenTheilen des Rückenmarks (kars luiudalis) und des Gehirns (Uons, 6rurs., nicht aber,wie man meinte, Kleinhirn) stehen. — Außer der Nervenreizung kommt beim heran-reifenden und dem entwickelten Jüngling der Samenverlust in Betracht, bei Mädchen derSäfteverlust durch Schleimfluß. Die Folgen dieser Säfteverluste gestalten sich nach Art undGrad verschieden, je nachdem es sich um unbewußte oder mit unvollständiger Einsicht und ge-ringer Betheiligung der Phantasie getriebene Masturbation oder aber um Versuche zuunnatürlicher Befriedigung des von psychischer Seite angeregten Geschlechtstriebs mitden im heranreifenden Alter unausbleiblichen Seelenkämpfen handelt. Sodann ist dieMehrzahl der Schriftsteller in der Schätzung der durch den materiellen Verlust sich er-gebenden Nachtheile viel zu weit gegangen. Den Säfteverlust bei einer Samenentleerungmit dem bei einen: Aderlaß zu vergleichen ist eine arge Uebertreibung. Ganz gleich-gültig ist es jedoch keineswegs, ob Sameuentleerungen die Reizungen begleiten odernicht, und ist die Gefahr am größten, wenn bei vorzeitiger Pubertät infolge der Reizungder Organe viel Zeugungsflüssigkeit bereitet und entleert wird. — Die entleerte Flüssig-keit besteht theils aus dem Product der Hoden, dem eigentlichen Samen, theils ausden Absonderungen der Prostata und der Harnröhrenschleimhaut mit ihren Drüsen. Je