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Geschlechtliche Verirrungen.
schäftigt; mäßig gebraucht könnte er unter Umständen eher eine beruhigende Wirkungüben. Eine besondere Ursache der unheilvollen Gewohnheit haben wir nicht zu über-sehen: die fehlerhaft gebauten Schultische, Schulbänke, »Subsellien". Sobald ein Kindauf Subsellien mit schlechter oder nicht passender Rückenlehne mit unrichtiger Ent-fernung des Pultbretts vom Sitzbrett stundenlang sitzen muß, sobald es auf dem Sitz-brett, gepeinigt von der fehlerhaften Sitzhaltnng, in die es allmählich verfällt, hin-und herrückt, ist nichts leichter, als daß die Geschlechtstheile gerieben und gereizt werden.Dasselbe geschieht, wenn die Kinder mit den Knieen an das Bücherbrett stoßen oderwenn sie beim Schreiben au die vordere Kante des Bücherbretts Heranrücken müßen.Die Reizung wird um so nachhaltiger wirksam, je mehr in krumküer und nach vorngebeugter Sitzhaltung die Unterleibsorgane gepreßt, die Athmung beschränkt, der Blut-umlauf behindert, je inehr also Blutandrang nach den Unterleibsorgauen vorhanden ist.Kommt zu dem Mißgeschick solcher Reizung noch hinzu, daß die Ueberfüllung derClassen mit Schülern dein Lehrer die Möglichkeit raubt, die einzelnen Schüler strengund dauernd im Auge zu behalten, so ist die Möglichkeit schädlicher Berührung derGeschlechtstheile, wenn auch noch nicht völliger Onanie gegeben. Der Weg zur voll-ständigen Ausführung ist aber nicht weit und die günstige Gelegenheit bietet sich imElternhaus. — Eine innere Anlage ist gegeben durch eine allgemeine mit Blutarmutverbundene Schwäche des Körpers und speciell des Nervensystems, die eine übergroßeErregbarkeit desselben im Gefolge zu haben Pflegt. Der leiblichen Schwächlichkeitentspricht die geistige, der Zustand des ganzen Menschen ist zu bezeichnen als reizbareSchwäche. Er erscheint als das häufige Ergebnis einer falsch geleiteten Erziehung.Während leidliches und geistiges Wachsthum so weit möglich in gleichmäßigem, stetigemGang fortschreiten sollten, wird nicht selten auf einseitige, vorzeitige, treibhansartigeEntwicklung hingearbeitet, namentlich auch Ueberwiegen und Ueberreizung der Phantasiebegünstigt. Die zu frühe und den Kräften des Einzelnen nicht angemessene Anstrengungder psychischen Functionen Lei gleichzeitiger Vernachläßigung der für die physische wiefür die moralische Gesundheit unentbehrlichen Ausbildung des Körpers bedingt auf reinsomatischem Gebiet eine Ueberreizung des Nervensystems, welche unter begünstigendenUmständen speciell eine Steigerung der Geschlechtsempfindungen und der ihnen ent-sprechenden Triebe zur Folge hat, die nicht allemal in Ausgelassenheit, vielmehr oftin einem scheuen, zurückhaltenden Wesen sich äußert. Der Versuch zu unnatürlicherBefriedigung der unzeitigen Triebe ist sodann andererseits dadurch angebahnt, daß ander Entkräftung des ganzen Organismus namentlich auch das Gehirn und eben damitalle Geistesthätigkeit und besonders die Willenskraft theilnimmt. Dazu kommt weiterin Beziehung auf den Inhalt des Denkens nicht selten eine vorzeitige und übermäßigeEntwicklung der geschlechtlichen Erregbarkeit, das Vorwiegen geschlechtlicher Vorstellungen,die bald absichtlich gesucht, bald unwillkürlich sich aufdrängend das Einbildungsvermögenbeherrschen, mit anderen Worten: die Gedankenunzucht, die psychische Onanie. Da istnun schwer, oft unmöglich zu sagen, was als Ursache, was als Wirkung zu betrachtensei, wo in verderblichem Kreislauf Gedankenonanie und physische Excesse hin und heraufeinander einwirken und das Böse fortzeugend immer wieder Böses muß gebären. Ur-sache und Wirkung ist da nicht mehr zu trennen. Auch in dem Artikel „Entwicklungs-periode" (s. S. 213 ) wurden die Ursachen einer abnormen Entwicklung geschlechtlicherEmpfindungen und Triebe dargelegt, daher hier im übrigen eine Hinweisung ans jeneSchilderung genügt. Doch sind einzelne für das Knaben- und Mädchenalter besonderswichtige psychische Ursachen der Geschlechtsverirrung noch besonders zu erwähnen. Ähregemeinsame unmittelbare Folge besteht in dem Hinlenken der Aufmerksamkeit auf dieZeugungstheile, den Unterschied der Geschlechter und die Geheimnisse der sexuellenFunctionen. Hierher gehört es, wenn man Kinder sich entblößen läßt, über ihre Nackt-heit schäckert, ebenso wenn Heranwachsende Knaben oder Mädchen beim An- und Aus-kleiden, beim gemeinschaftlichen Baden und Schlafen, beim Besuche der geheimen Orteund dergl. sich schamlos betragen dürfen; ferner das Anhören zweideutiger.-Reden oder