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Geschlechtliche Verirrungen.
verständlich nur die vieldeutigen Merkmale eines Schleimflusses ergeben. In derMehrzahl der Fälle sind solche Kinder schlecht genährt, Fettpolster und Muskeln schlechtentwickelt, Appetit und Schlaf oft gestört; zuweilen erkennt man rhachitische Ver-änderungen der Knochen: die Zahnbildung bleibt zurück, die Endstücke der Nippen und'der Knochen der Gliedmaßen treiben sich auf, die Kopfknochen zeigen deutliche rhachitischeSymptome, starkes Hcrvortreten der Stirnhöcker, die Fontanelle ist sehr groß und dieNäthe der Schädelknochen weichen von einander. Oefter jedoch fehlen alle derartige Er-scheinungen; man sieht alsdann, vielleicht nicht allemal, das Glied bei Knaben etwasstärker entwickelt als normal, die Vorhaut lang, augenscheinlich gezerrt, oft wund undetwas geschwollen; bei Mädchen Röthung der äußeren Geschlechtstheile, zuweilenschleimige und selbst eitrige Absonderungen. Sicherheit giebt endlich in den meistenFällen doch nur die Beobachtung des gewohnheitsmäßigen Betastens der Geschlechts-teile, Zupfens oder Kitzelns an denselben. — Das Kind ist mit allen Mitteln zuüberwachen und es bedarf großer Umsicht und Sorgfalt, um den Kleinen das verderb-liche Spiel zu wehren. Und das ist nur so notwendiger, als nicht immer gerade dieEinwirkung der Hände notwendig ist, um die Onanie zu bewirken, sondern auch,namentlich während der Nacht im Bett, eine Art instinctiver oder convulsivischer Be-wegung dazu genügt. Das Angesicht des Kindes wird zur Zeit einer solchen Bewegungganz roth, mit Schweiß bedeckt; seine Augen werden glänzend und es wird gleichsamvon der Welt um sich her ganz abgezogen; es ist dabei gewöhnlich still, sixirt seineAugen auf einen Gegenstand und stützt sich selbst irgendwo an. Es liegt eine kurzeZeit wie in Verzückung, bis eine krampfhafte Bewegung eintritt, worauf es auffallendbleich wird und gleichsam zusammensinkt.
Die Onanie wird, wie so eben gezeigt wurde, zuweilen aus der frühesten Kindheitin den folgenden Lebensabschnitt, in die Zeit des erwachenden Selbstbewußtseins undGewissens herüber genommen. Zuerst als Spiel betrieben und so zur Gewohnheit ge-worden, wird sie fortgesetzt, während allmählich eine Ahnung von Sünde und Schandeerwacht. Aber das Verständnis der schlimmen Folgen ist zu unklar, das sittlicheGefühl zu schwach zum Widerstand. Oefter aber entsteht das Laster erst in den folgendenLebensjahren, namentlich auch in der Zeit der Pubertätsentwicklung. Als veranlassendeäußere Ursachen, die in diesem Alter besondere Beachtung verdienen, sind außer denauf S. 1022 angegebenen zu erwähnen: reichliche, üppige, reizende Nahrung, namentlichspät Abends genossene Mahlzeit, erhitzende Getränke, Zusammenschlafen im gleichenBett mit einer andern Person, besonders einer Person des andern Geschlechts; Liegen-bleiben im Bett nach dem Erwachen, was durchaus nicht geduldet werden soll; nichtnur zu warme, sondern auch ungenügend warme Betten, wo in strenger WinterkälteKnabe oder Mädchen vor Frieren nicht schlafen können und sich zusammenkugeln; fernerzu enge Beinkleider, ebenso die Gewohnheit, die Hände in die Hosentaschen zu stecken,auch das Einstecken der Sacktücher in die Hosentaschen; zu festes Schnüren um dieMitte des Leibes, wodurch der Rückfluß- des Blutes aus den Unterleibsorganen gehemmtwird; unter Umständen auch Ruthenstreiche auf den Hintern, Fahren in gepolstertenWagen, Reiten, Schaukeln auf den Knieen, Zusammenpressen der übereinander ge-schlagenen Beine, Reiten auf Spielgegcnständen, rittlings Rutschen auf Treppen-geländern, Herumklettern an Bäumen, auch an Turngeräthen u. dergl. Unter denGetränken wurde namentlich dem Kaffee eine reizende, entnervende Wirkung Schuldgegeben. Wo gute frische Milch oder ein anderer passender Ersatz jederzeit zu Gebotsteht, da wäre für Kinder der Kaffee füglich zu entbehren. Doch zeigt nunmehr viel-jährige Erfahrung, daß der mäßige Genuß von Milchkaffee, ebenso von Bier undWein den nicht mehr ganz kleinen Kindern im allgemeinen nicht schadet, unter Um-ständen vielmehr zuträglich ist. Auch der Tabak wurde als Sündenvater genannt.Vor vollendeter Entwicklung sollte er der Jugend überhaupt fremd bleiben; im übrigensteht sein vorzeitiger ebenso wie sein übermäßiger Gebrauch, wenn auch überhauptschädlich, doch wohl nicht in besonderer Beziehung zu dem Laster, das uns hier be-