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Geschlechtliche Verirrungen.
Verhütung und Heilung. In allen diesen Beziehungen ist jedesmal das Lebens-alter und Geschlecht von wesentlicher Bedeutung.
Bei einem weitverbreiteten Uebel darf man zum voraus erwarten, die Gründeseiner Entstehung seien mannigfaltiger Art. Zunächst wird zu unterscheiden sein zwischender spontanen Entstehung und jener durch Beispiel und Verführung. Unbe-streitbar verfällt manches unverdorbene Kind dem Uebel durch das schlechte Beispiel vonSchul- und Spielgenossen oder durch directe Verführung erwachsener Personen, nament-lich unsittlicher Dienstboten, und erfahrungsgemäß bilden die heimlichen Gemächer zumalder Mädchenschulen und das Zusammenschlafeu in Pensionaten und Erziehungsanstaltendie häufigste Gelegenheit, während in der Familie neben der Scheu vor den Geschwisternauch die strengere Ueberwachung und individuellere Beobachtung in Anschlag kommt. Dieärztliche Beobachtung lehrt jedoch die spontane Entstehung als die vorherrschende be-trachten. Es wäre überflüssig und ein vergeblicher Versuch, alle die Umstände für sichaufzuzählen, wodurch der erste Mißbrauch der Geschlcchtstheile herbeigeführt und zuderen weiteren Reizungen Anlaß gegeben wird. Wir werden zum Behuf der liebersichtdie Ursachen in einige Gruppen zusammenfassen. Damit erhalten wir zugleich einenallgemeinen Maßstab für die moralische Beurtheilung der mit dein Uebel Behafteten.
Ganz kleine Kinder schon können sich der Onanie ergeben und sie mit wahrerWuth betreiben. Man fand sie, was fast unglaublich erscheint, bei Kindern, die nochan der Brust lagen, man hat genauere Beschreibungen des Uebels bei einem k 0 Monatealten Knaben, einem 20 Monate alten Mädchen, einem 3 Jahre alten Mädchen, beiwelchem, nachdem es beinahe 6 Monate der Onanie obgelegen hatte, wiederholt Anfälleder Epilepsie vorkamen. Die Onanie solcher unmündiger Kinder, wenn sie auch Schuleund Schulaufsicht unmittelbar nicht angeht, ist doch zuweilen der erste Anfang desspäter vorhandenen Lasters und außerdem für Entstehungsart und Fortgang des Uebelsvon größter Bedeutung. Darum soll zunächst ihr Vorkommen in diesem Lebensalterabgesondert betrachtet werden. Der erste Anlaß kann ein rein zufälliger sein. DasKind spielt mit seinen Geschlechtstheilen wie mit allen möglichen Dingen. Daß sichseine Hände auch einmal dahin verirren, ist um so begreiflicher, wenn es bei schlechterPflege und Aufsicht, zumal in der LangeweUe kranker Tage, längere Zeit sich selbstüberlassen im Bett liegt. Es giebt aber auch dumme und schamlose Kindsmägde,die sich den schlechten Spaß machen, das Kind an seinen Geschlechtstheilen zu kitzeln.Kein Wunder, wenn dann das Kind selber es auch so macht. Als disponireude Ursachender in ihren Folgen so gefährlichen Gewohnheit bei Kindern, die doch von einem Unter-schied zwischen Gut und Böse noch nichts wissen können, werden angeführt: besondersgroße Erregbarkeit des Nervensystems, etwa noch gesteigert durch Zahnentwicklung, zuwarme und zu weiche Betten, Anhäufung von Koth im Mastdarm, Würmer, besondersdie kleinen, die bei Mädchen zuweilen in die Geschlcchtstheile gelangen, Genuß erhitzenderund aufregender Dinge, Ansammlung von Unreinlichkeit und in Zersetzung begriffenenHaut- und Drüsenabsonderungen an den Geschlechtstheilen, bei kleinen Mädchen zwischenden Schamlippen, bei Knaben zwischen Vorhaut und Eichel, wozu besonders allzugroßeLänge und Enge der Vorhaut (Llriwosls) Anlaß geben kann, Steine in der Harnblaseund Harnröhre, Entzündungen der Genitalschleiinhaut, scharfer Urin u. s. w., endlichHautausschläge an den Geschlechtstheilen und in deren Nähe, insbesondere der juckendeBläschenausschlag, der ganz ähnlich, wie er häufig um den Mund herum vorkommt(Usrxss labialis», auch an den Geschlechtstheilen nicht so gar selten sich einstellt, undder seltene dafür aber hartnäckige juckende Knotenausschlag an After und Geschlechts-theilen (krurizo ani, xuäonckorurn). Hierher gehören auch habituelle Verstopfung, Häinor-rhoidalcongestionen und Knoten und dergl., welche. Zustände aber mehr späteren Lebens-perioden eigen sind. Verdächtige auf Onanie hinweisende Zeichen sind in diesem Lebens-alter: ein Zustand von Hinfälligkeit, allmähliches Hinwelken, Stupidwerden, leiblicheund geistige Schwäche und Reizbarkeit, ohne daß eine wirkliche Krankheitsursache auf-gefunden werden könnte. Die Untersuchung der Bett- und Leibwäsche kann selbst-