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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Geschlechter.

männisch werden, ist da nicht vorhanden, wo beide Geschlechter in ungefähr gleicherZahl vertreten sind, vielmehr sagt dann einem jeden sein Gefühl, daß es dem andernGeschlecht nur dadurch achtungs- und liebenswerth' wird, daß es seinen eigenthümlichenCharakter-rein bewahrt und darstellt, und geschlechtliche Roheiten und unnatürlicheExcesse werden durch ein solches Zusammensein sicher nickt sowohl befördert als ver-hindert. Dagegen kann sich in ihm schon der bildende Einfluß in sehr förderlicherWeise geltend machen, welchen, das männliche vorzugsweise anregend, das weibliche er-mäßigend und zügelnd, beide Geschlechter auf einander auszuüben bestimmt sind. Undda dem Knaben für die Gegenstände, in welchen nur er allein zu unterrichten ist, ohneSchwierigkeit eine Anzahl von Stunden mehr zugemuthet werden kann, so fällt auchdas Hauptbedenken in Bezug auf den Unterricht weg; denn in den für beide Geschlechterbestimmten Unterrichtsgegenständen kann die allerdings verschiedene männliche und weib-liche Auffassungsweise gerade zur vielseitigeren und erschöpfenderen Erkenntnis und Behand-lung des Gegenstandes benutzt werden. (Vgl. hiermit den folgenden Artikel. D. Red.)

III. Nachdem in dem Bisherigen die Eigentümlichkeit des männlichen und desweiblichen Geschlechtscharakters dargestellt und gezeigt worden ist, wie beide sowohl inden Erziehern Zusammenwirken, als in den Zöglingen in Beziehung auf einander her-vorgehildet werden müßen, ist noch übrig, etwas bestimmter und soweit es sich nichtaus dem bereits Gesagten von selbst ergiebt, die Art und Weise darzulegeu, wie dieErziehung dabei doch die Eigenthümlichkeit eines jeden Geschlechteswahren muß.

Was zunächst die Erziehung im engeren Sinne angeht, so fordert die leb-hafte und vordringliche Selbstthätigkeit der männlichen Jugend eine stetigere undstrengere Disciplin, als sie bei der weiblichen erforderlich ist, deren Empfänglichkeitein natürliches Gefühl für das in jedem Verhältnisse Angemessene in sich schließt undwelche den Anforderungen der jedesmaligen Umgebung mehr von selbst sich fügt. DasMädchen braucht nicht in dem Grade, wie der Knabe, an die zügelnde Hand fort-während erinnert und durch den imponirenden Ernst des Erziehers in den Schrankengehalten zu werden, vielmehr muß, wie Benecke treffend bemerkt, auch in den Schulenfür Mädchen die Disciplin mehr der freieren und milderen Ordnung der Familie sichnähern. Strenge Strafen, wohl gar körperliche Züchtigungen, wie sie nöthig.werden,um die rohen Aeußerungeu eines unbändigen Eigenwillens bei Knaben zurückzudräugen,würden das weibliche Selbstgefühl verletzen und unterdrücken; dagegen wird die Er-innerung daran, wie lautes und wildes Wesen u. dgl., eben weil es etwas unweib-liches ist, dem Mädchen nicht ziemt, in dem Munde des Erziehers um so wirksamersein, da der Schülerin das Gefühl sagt, daß sie nur durch Bewahrung des Charaktersder Weiblichkeit die Liebe und Achtung des Mannes sich erwerben kann. Freilich muß,um eine solche Wirkung hervorzubringen, der Erzieher eben ein Mann sein. Einemsolchen kommt von Seiten der weiblichen Zöglinge nicht selten eine wahrhaft begeisterteInnigkeit persönlicher Zuneigung entgegen, wie der von Natur nach Unabhängigkeitstrebende Knabe ihrer gar nicht fähig ist, auf der anderen Seite wird aber auch dieauf schwachen Füßen stehende Auctorität des energielosen allzuuachgiebigen Lehrers durchden feinen Blick für Schwächen, welcher dem weiblichen Geschlechts eigen ist, und durchdessen kleine Listen noch sicherer und vollständiger zu Fall gebracht werden, als durchdie offene Derbheit der Knaben. Wenn nun, wie so eben angedeutet, der Erzieher beiKnaben vorzugsweise darauf bedacht sein muß, daß deren Selbstthätigkeit nicht in un-gehöriger Weise gegen die Umgebung sich herausbewegt, so handelt es sich dagegen beiMädchen darum, deren Empfänglichteit vor verderblichen Eindrücken der Umgebung zubeschützen. Dem Manne kann die Berührung mit dem feindlichen Leben nicht erspartwerden, aber er besitzt in seuwr vorherrschenden Selbstthätigkeit auch die Kraft, dasWidrige zurückzuweisen oder zu überwinden und so den Kampf zu bestehen, und dieErziehung hat die Aufgabe, diese Kraft zu stärken und ihr die rechte Richtung zu gebenDem Weibe fehlt infolge seiner vorherrschenden Empfänglichkeit diese Widerstandskraft,