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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Geschlechter.

es ist von den Eindrücken der Umgebung in höherem Grade abhängig, und der Satz:„Jugend muß gewagt werden" ist für Mädchen nicht gesagt; vielmehr müßen sie vorstörenden Einflüssen bewahrt werden, bis ihr Wesen zu der inneren Selbständigkeit ge-langt ist, welche das Ungehörige von selbst meidet oder von sich abweist.*» Mit einemWorte: Bei der Erziehung der männlichen Jugend muß, nach Schleier-machers Ausdruck, die kühne, bei der weiblichen die vorsichtige Maximeleiten. Darum darf denn die stetige und strenge Discipliu, welche durch das Naturelldes Knaben erfordert wird, doch auch keine pedantische, kleinliche und mäkelnde werden,welche ihm Kraft und Lust zu dem in seiner Bestimmung liegenden selbständigen Wirkennach außen nimmt, seine Thätigkeit in Nebendingen sich verzehren und ihn zur rechtenSelbständigkeit nie kommen läßt, oder ihn zu trotzigem Widerstande reizt. Ist es ge-lungen, den Knaben in kräftiger Thätigkeit den wahren Zielen zuzuwenden, so darfman, ohne den Werth der Ordnung auch im Kleinen und Alltäglichen zu unterschätzen,doch in diesen Dingen nachsichtiger sein. Bedeutenden Männern rechnet man einegeniale Unordnung nicht an; dagegen vermögen glänzende Leistungen einer Schrift-stellerin mit Salopcrie in ihrem Wesen und Auftreten uns nicht auszusöhnen. Denn ebenweil das Weib nicht auf die Erreichung bestimmter äußerer Zwecke hingewiesen ist,fordern wir von ihm, daß es um so sorgfältiger auf sich selbst und auf seine nächsteUmgebung achte: Ordnung und Reinheit im Aeußeren wird nicht nur ihm selbst einSchirm, welcher Störendes und Verunreinigendes von der Seele abhält,**) sondernindem das Weib dadurch als Gehülfin des Mannes diesem die Sorge für das Kleineund Alltägliche abnimmt und ihm eine freundliche behagliche Umgebung schafft, befreitund erhöht sie das Wirken des Mannes für die Aufgaben seines besonderen Berufes.Gerade auf die unterstützende Thätigkeit des Weibes in diesem Sinne möchten wir dieschönen Worte des Dichters beziehen:

Dienen lerne bei Zeiten das Weib nach ihrer Bestimmung,

Denn durch Dienen allein gelangt sie endlich zum Herrschen,

Zu der verdienten Gewalt, die doch ihr im Hause gehöret.

Dienet die Schwester dem Bruder doch früh, sie dienet den Eltern,

Und ihr Leben ist immer ein ewiges Gehen und Kommen,

Oder ein Heben und Tragen, Bereiten und Schaffen für andre.

Rücksichtlich des Unterrichtes ist, in Anwendung der oben ausgesprochenen all-gemeinen Grundsätze, vor allem darauf aufmerksam zu machen, daß der auf harmo-nisches Zusammenwirken der verschiedenen Functionen angelegte weibliche Organismuslangandauernde einseitige Kopfarbeit und anhaltendes Sitzen nicht verträgt, wie eswohl dem Knaben zngemuthet werden kann. Durch die Jgnorirung dieser Thatsachehat es die moderne Ueberspannung des Mädchenunterrichtes glücklich dahin gebracht,daß es schon fast als eine Ausnahme angesehen werden kann, wenn eine Mutter ausden sogenannten gebildeten Ständen noch in: Stande ist, die erste und süßeste Mutter-pflicht zu erfüllen und dem Kinde die erste naturgemäße Nahrung selbst zu bieten, unddaß die Bleichsucht immer mehr das unerläßliche Kriterium eines gebildeten „Frauen-zimmers" wird (vgl. in dieser Rücksicht die oben angeführte vortreffliche Schrift von

*) I- Paul, a. a. O. Z. 91: „Die Sittlichkeit der Mädchen ist Sitte, nicht Grundsatz.Den Knaben könnte man durch das böse Beispiel trunkener Heloten bessern, das Mädchen nurdurch ein gutes .... Sie sollten, wie die Priesterinnen des Alterthums, nur an heiligen Ortenerzogen werden; und nicht einmal das Rohe, Unsittliche, Gewaltthätige hören, geschweige sehen...Ein verdorbener Jüngling kann ein herrliches Buch aus der Hand legen, im Zimmer mit feurigenThränen auf- und abgehen, und sagen: ich ändere mich; und es — halten... Ich habe noch vonwenig Weibern gelesen, die sich anders geändert hätten, als höchstens durch einen Mann . . .Vielleicht entschuldigt sich daraus das Betragen der Welt, «ach welchem männliche FehltritteMasern sind, die wenig oder keine Narben lassen, weibliche aber Blattern, die ihre Spur in dieWiedergenesene, wenigstens in das öffentliche Gedächtnis graben."

**) Auch hierüber treffende Bemerkungen bei I. Paul, a. a. O. Z. 98 geg. Ende.