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Geschlechter.
Forderung, daß das Mädchen vor allem zur Hausfrau zu erziehen sei, in die völligunberechtigte zu verkehren, daß von ihm alles fern zu hakten sei, was nicht die vierWände des Hauses einschließen, eine Beschränkung, welche um so gefährlicher ist, weilder weibliche Geist, welchen man für Höheres zu interessiren unterlassen hat, da er ansich schon mehr an dem Nächstliegenden haftet, leicht sein Interesse dem Alltäglichenund Ordinären zuwendet. Ein normaler Bildungsstand fordert eine verhältnismäßigeTheilnahme des weiblichen Geschlechtes an dem Beruf und an den geistigen Interessendes Mannes, wie sie ohne eine entsprechende Theilnahme an seiner Vorbildung nichtmöglich, aber schon um des Einflusses willen nöthig ist, welchen die Mutter in demKnaben, und zwar weit über dessen eigentliche Kinderjahre hinaus, auf die Bildungdes künftigen Mannes üben soll. Fordern wir sonach auch für die weibliche JugendTheilnahme an der Schulbildung, so bleibt doch für das Mädchen fortwährend dieeigentliche Stätte der Erziehung das elterliche Haus, welchem es schon täglich durchdie Schule nicht zu lang entzogen werden darf und in welches es nach kürzerer Schul-zeit als an die eigentliche Stätte auch seines Berufes gänzlich zurückkehrt, während denJüngling die längere Lehrzeit in seinen besonderen Beruf hinausführt. Und wie ebendurch die Beziehung auf diese ausgebreitetere Berufsthätigkeit von der männlichen Ju-gend eine größere Masse von Kenntnissen wirklich lebendig angeeignet werden kann, sogiebt es für die weibliche Jugend ein lebendiges Wissen nur insoweit, als dieses irgend-wie zu dem häuslichen Leben in Beziehung tritt. Was das Mädchen in der Schulelernt, hat nur insoweit bleibenden Werth, als das Gelernte nicht bloß in dem künf-tigen häuslichen Berufe den Boden, in welchem es lebendige Wurzel schlagen kann,sondern auch von Anfang an in der Familie seinen Widerhall findet und namentlichvon dem lebendigen Interesse der Eltern begleitet wird: ein Mädchen, welches durchSchulunterricht über die intellectuelle Bildung seiner Familie bis zur Unmöglichkeiteines beiderseits befriedigenden geistigen Verkehrs hinausgehoben wäre, würde für unsgeradezu etwas Widerwärtiges haben, während ein solches Verhältnis bei dem Jüng-ling durchaus nichts Anstößiges hätte.
Wenn nun Mädchen und Knaben bis zu einem gewißen Grade denselben Schul-unterricht genießen müßen, so fragt es sich, warum nicht auch beide Geschlechtergemeinschaftlich den Unterricht genießen sollen; denn wenn doch beide imgesellschaftlichen Leben später durch ihr eigenthümliches Wesen und Wirken sich wechsel-seitig unterstützen und ergänzen sollen, die Schule aber auf das Leben vorzubereitenbestimmt ist, so scheint es am nächsten zu liegen, daß beide Geschlechter auch mitein-ander und in steter Beziehung zu einander erzogen werden. In der That möchte auchhiergegen aus der Sache selbst kaum ein gegründeter Einwand zu erheben und demgewöhnlichen Bedenken mit der Betrachtung zu begegnen sein, daß doch unstreitig dieErziehung unter sonst gleichen Verhältnissen besser und leichter in einer Familie gelingt,in welcher Knaben und Mädchen nebeneinander erzogen werden, als in einer solchen,in welcher nur Ein Geschlecht unter den Kindern vertreten ist. Wenn gleichwohl dieStimme der Pädagogen besondere Mädchenschulen mit einer Allgemeinheit und Ent-schiedenheit fordert, daß Benecke (a. a. O. II, S. 478) diese Forderung, wenigstensin Bezug auf die Mädchen aus den mittleren und höheren Ständen, als ein Axiomhinstellen kann, das einer Begründung gar nicht bedarf: so erklärt sich dies aus demUmstande, daß bei der herrschenden Ueberfüllung der Schulen eine eigentlich pädago-gische Einwirkung auf den Einzelnen überhaupt unmöglich ist, und deswegen, umIrregularitäten zu vermeiden, zu welchen die Differenz der Geschlechter Anlaß werdenkönnte, und um überhaupt die pädagogische Aufgabe zu vereinfachen, die Trennung derGeschlechter allerdings als geboten erscheint. Aber diese tatsächlichen Hindernisse einesgemeinschaftlichen Unterrichtes hindern nicht, es als die wünschenswertheste und dank-barste pädagogische Aufgabe zu erkennen, wenn ein Erzieher in einer Zahl, welche einepädagogische Ueberwachung und Leitung noch möglich macht, Knaben und Mädchenneben einander zu erziehen hat. Die Gefahr, daß die Knaben weibisch und die Mädchen