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Gelchrtmschnlweseir.
in den Klöstern eine besondere Pflege fand, denn der fürstliche Arm, der dies Werkschützen sollte, war nicht immer so stark wie der Karls des Großen. Unter seinemschwachen Nachfolger, Ludwig dem Frommen, giengen die meisten derartigen Anstaltenwieder ein oder sanken zu unbedeutender Wirksamkeit herunter; die Geistlichen dieserZeit klagen selber, daß an ein eigentliches Fortschreiten in wissenschaftlicher Stufenfolgenicht zu denken sei. Aber der rechte Boden dazu war schon vor Karl d. Gr. bereitetworden. Aus der Saat des Bonifacius (680—755) gieng eine Frucht hervor,die um so werthvoller erscheinen mußte, als er die doppelte Seite des deutschenBerufs, die christliche und die nationale, auf das genaueste erkannt hatte und in dentiefsten innerlichen Zusammenhang zu setzen bemüht war. So wurde in den hessischenLändern der erste Keim deutscher Bildung und Gelehrsamkeit gepflegt, unter anderen inFritzlar, wo Wigbert (gest. 747) 740 eine Schule errichtete, und in Hersfeld,wo Lullus um 770 das Kloster gründete, das sich besonders durch seine Schule aus-zeichnete. Seit 813 aber besaß die Abtei Fulda die erste öffentliche, auch von Laienbesuchte und mit einer Bibliothek ausgestattete Klosterschule in Deutschland und inihrem gelehrten und rastlos thätigen Vorstande Hrabanus Maurus (775 bis 8SS;vgl. N. Bach in Zeitschr. f. Alt. Miss. 1835. Juli. Nr. 79—82) einen Lehrerund Lehrerbildner, der als ein Schöpfer des deutschen Schulwesens (xriinus xrasoextoiOsrmanias) betrachtet werden darf. Nach ihm war Walafried Strabus seit 822nicht nur auf Erhaltung der altrömischen Classiker eifrig bedacht, sondern auch für dieAusbildung der deutschen Sprache sehr bemüht. Auch die Erzbischöfe von Mainz,unter denen die hessischen Klöster standen, pflegten die höheren Studien gern. Dennochwar es auch für die Klöster keine leichte Sache, den ununterbrochenen Strom geistigenLebens bei sich zu erhalten. Die ursprüngliche Kraft und Frische, wie sie durch denGeist Karls des Großen, der mit seinem eigenen Beispiele vorangieng, den Schulen ein-gehaucht worden war, begann allmählich zu weichen; die Zeit bewegte sich zum Theilin einem mächtigen Fortschritte, ja großartigen Umschwünge, den die Schule zu be-greifen nicht im Stande und daher hinter demselben zurückzubleiben genöthigt war.Vielfach waren es ja auch nur äußere Vorkehrungen, die durch ausgezeichnete Trägerin raschem Gange erhalten wurden, aber mit diesen völlig ihren Halt verloren. DasZiel des von den Schulen verfolgten Strebens war ja auch nur das abstracte Fermentder Wissenschaft, welche das Mittelalter kannte, nicht diese selbst in ihrer mächtigenund belebenden Gestalt, nicht das Alterthum in seinem frischen Geistesorganismus.Dazu kamen die Zustände, welche in dem Klvsterleben selber herrschten. Ein großerWetteifer war zwischen den Dominicanern und Franci Scan ern einerseits undden Benediktinern andererseits erwacht. Letztere hatten vor der Entstehung jenerBettelmönchsorden allerdings fast die ausschließliche Herrschaft gehabt. Als aber dieKlöster mehr und mehr der Aufsicht der Bischöfe sich zu entziehen trachteten, sankendie Kenntnisse der Mönche und die Leistungen der Schulen in gleichem Grade. Undseitdem die Chorherren in Trier 977 mit Genehmigung ihres Erzbischofes die kanonischeGemeinschaft aufgelöst hatten, liefen überall auch die Domherren auseinander und ver-zehrten ihre Präbenden nach Belieben. Sie glaubten ihrer Pflicht genügt zu haben,wenn sie statt des Scholasticus einen Rector und statt des Cantors einen Succentorbestellten (vgl. oben „Frankfurt" S. 554), ja die Stellen wurden zum Theil sogar käuflichund die Päpste mußten mit Bullen dem Unwesen steuern. Unter diesen Umständen war esdenn kein Wunder, wenn selbst die Benediktiner in Unwissenheit versanken (s. die Zeugnissebei Ruhkopf S. 65 und bei Niemeyer 3, S. 497), und wenn erst der Gegensatz der Bettel-orden sie wieder zu größerem inneren Leben rief. Dieser Gegensatz war allerdings an sichein nothwendiger: auch die Klöster mußten ja ihre Pforten öffnen und die Mönche indie Welt hinein gehen, um den Samen der Wahrheit mitten unter das empfänglicheVolk selbst zu streuen. Die beiden Orden der Franciscaner und Dominicaner ent-standen zu Anfang des 13. Jahrhunderts ziemlich gleichzeitig. Ihr ganzes Strebenwar auf die Masse des Volks gerichtet; „sie lebten meist in der Sphäre der bildungs-
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