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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Geistliche als Seelsorger in Bezug aus die Erziehung.

» stunden ordentlich aufführen: ein Stück „eigenthümlicher Seelenpflege" ist auch hier zu» thun. Es gilt, sich bewußt zu sein, daß jedes Kind als eine eigenthümliche Pflanzeim Garten Gottes einer eigentümlichen Pflege bedarf, aus der Erscheinung des Kindes! in der Schule auf die Zustände der Familie zu schließen, von den Anlässen, welche dieI Schule gicbt, auf das Haus zurückzuwirken, den Bann zu lösen, den manches Hausi auf die Lernthätigkeit und die Sittlichkeit des Kindes ausübt, in der Schule selbst was! üppig sich hervorthut zu dämpfen, was scheu zurückbleibt zu locken, mit dem Auge derLiebe das eigenthümliche Bedürfnis jedes Kindes zu erspähen. Insbesondere wird eseine seelsorgerliche Pflicht sein, um der Neunundneunzig willen, die in das Geleise desLernens und richtigen Verhaltens eingefahren sind, den Einen nicht zu vergessen, dernicht nachkann. Für den, der von den Altersgenoffen in der Erkenntnis überflügeltwird, muß eine Nachhülfe im eigenen Hause oder sonstwo gefunden werden, daß wenig-stens das Lesen, um der zu lesenden heiligen Schriften willen, eines jeden Mitgift ausden Schuljahren werde. Wie tritt doch durch dies alles an den Lehrer selbst die For-t derung heran, eine seelsorgerliche Persönlichkeit zu sein! Aber auch da, wo er sie ist,

^ wird die Seelsorge des Geistlichen für die Jugend nicht entbehrlich. Wo z. B. diesittliche Verwahrlosung so groß ist, daß die gewöhnlichen Mittel nicht ausreichen, da. wird auch der Geistliche ein Besonderes zu thun haben, zunächst mit Mahnen, Strafen,Beten und wenn auch diese Hülfe nicht genügt, wird gewöhnlich auf ihm die Sorgeliegen bleiben, die Thüre eines Rettungshauses zu suchen und obendrein die Unter-. Haltungsmittel aus öffentlichen Kassen oder durch die Wohlthätigkeit von Privaten zubeschaffen. Es kommt auch vor, daß die Verwahrlosung, infolge der Verarmung,weiter um sich gegriffen hat, daß ein Dutzend oder mehr Kinder, statt in die-Schulezu gehen, bettelnd die Gegend durchstreifen. Da ist es die Aufgabe, den Hungerndendurch Eröffnung einer Industrie oder einer Quelle der Unterstützung ein Stück Brod zuschaffen, dann aber unnachsichtlich auf den Schulbesuch zu halten. Was A. H. Franckeeinst gethan und was der Anfang seiner so weitgreifenden Wirksamkeit war, wirdimmer für die Geistlichen ein Wink sein, die Pfarrhäuser willig zu Brunnenstuben leib-^ lichen und geistlichen Segens werden zu lassen. Für den oft zu ängstlich gefürchtetenSchmutz, den die Füße in die Pfarrstuben bringen, läßt Gott Brunnen quellen, ihnabzuwaschen. Ueberhaupt wird ein eifriger Geistlicher Veranlassung haben, auch da,wo die Verwahrlosung nicht dazu treibt, die Kinder zuweilen um sich zu sammeln, seies um mit ihnen in der Stille des Hauses Psalmen und andere Bibelabschnitte, diefreiwillig gelernt sind, abzuhören und ihnen dann zur Ermunterung Bild, Geschichte,Lied darzubieten, sei es um mit fröhlichem Liederklang in den grünen Wald zu ziehen.Das ist die Weise, zu zeigen, daß zwar die Geistlichen nicht dafür da sind, ungezogenenKindern „einen Nagel in den Kopf zu schlagen/ wohl aber dafür, die Kinder mitfreundlich ernster Hirtenliebe dem Erzhirten zuzuführen. — Wie der Geistliche sodannwahrend des Confirmandenunterrichts seinen seelsorgerlichen Eifer zu verdoppeln habe,darüber siehe den Artikel Confirmation und erstes Abendmahl. — Auch nachder Confirmation hört seine seelsorgerliche Bemühung um die Jugend nicht auf, ja siebedarf gerade jetzt einer besonderen Kraft. Welcher Geistliche, dem die Katechumenenwahrhaft am Herzen liegen, hätte nicht schon Ursache gehabt, ein Jahr nach der Con-firmation, obwohl diese und der vorausgegangene Unterricht sichtbaren Segen gebracht- hatte, auszurufen: Sind ihrer nicht zehn rein geworden, wo sind aber die neune?

! Die junge Pflanzung wird gerade jetzt, wo die Schulzucht keinen Damm mehr bietet,

am meisten von den wilden Wassern des Weltlebens bedroht. Was nun zunächst die-jenigen betrifft, die nach der Confirmation zu Lehre und Dienst den Heimatort ver-

: lassen, so wird es die Aufgabe des Seelsorgers sein, sie vor dem Eintritt in schlechte

! !- Hausstände zu behüten, jedenfalls auch aus der Ferne über den Kirchenbesuch und dieTeilnahme an der Katechismuslehre zu wachen, amtliche und freundschaftliche Ver-bindungen zu benutzen, damit am neuen Wohnort selbst ein liebendes Auge sie auf ihrenWegen begleitet, und so oft sie in die heimatliche Gemeinde zurückkehren, ihnen den

v»°°g. emcyiwpüdie. II. S. Aufl.