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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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818
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818 Geistliche als Seelsorger in Bezug ans die Erziehung. Gelehrtenschnlwesen.

geistlichen Puls zu fühlen. Die Daheimbleibenden mäßen mit allen Mitteln ermuntertwerden, das Band, das sie rnit dem Seelsorger verbindet, zu erhalten. Allezeit mußsein Haus ihnen offen stehen, wenn sie kommen wollen, um sich einen Rath oder einBuch zu holen oder auch nur, um sich ihm wieder einmal zu zeigen. Dann aber mögenregelmäßige Versammlungen, theils erbaulicher, theils belehrender Natur, veranstaltetund beide durch Gesang belebt werden. Und besonders ist zu empfehlen, daß der Geist-liche dann und wann die Jugend bis zu einem gewißen Alter in feierlicher Weise ver-sammle, nur zu dem Zwecke, sie an das Confirmationsgelübde zu erinnern, die imSchwange gehenden Sünden zu rügen und wie einst in der gesegneten Zeit der Be-reitung zur Consirmation wieder einmal mit ihnen zu singen und zu beten. Die Er-mahnung unter vier Augen, so oft es heilsam scheint, sowie das beständige Wachenund Beten versteht sich von selbst. — Alle diese Bemühungen mäßen durch die Vor-bildlichkeit des Pfarrhauses ihren Nachdruck erhalten. Die apostolische Wohnung .her-berget gerne" darf nicht bloß im Sinn der berühmten Gastlichkeit der Pfarrhäuser ver-standen werden, sie muß auch Pfarrkindern, die in besonderer Noth keine andere Zufluchtwissen, die Thür öffnen: ein achttägiger Aufenthalt im Hause des geliebten Seelsorgersbringt vielleicht die verirrte Seele für immer auf den rechten Weg zurück. Sodannmuß die Kinderzucht im Pfarrhause der ganzen Gemeinde predigen, damit nicht diePredigt von der Kanzel ihre Kraft verliere durch die Pfarrerssöhne, die sich am SonntagNachmittag etwa an die Spitze der Jugend stellen, um einem wilden Leben sich hinzu-geben, und durch die Pfarrerstöchter, die am Sonntag Abend die ganze Eitelkeit derWelt im Tanzsaal mitmachen — Erscheinungen, die nicht bloß bei den Angehörigenrationalistischer Pfarrhäuser bemerkt werden. Es ist zwar ein Geheimnis, über das manoft genug staunt, daß auch Kinder der frömmsten Eltern misrathen, und es haben solcheErfahrungen für alle, die in Gottes Wort allein eine Gewähr guter Kinderzucht sehen,etwas sehr demütigendes. Aber sie sind zugleich eine Aufforderung mehr, dem Pfarr-haus und der Kinderzucht in demselben den Charakter biblischen Ernstes aufzudrücken.Gerathen dann die Kinder, so leuchtet das Vorbild hell in die Gemeinde, scheint dieErziehung fehlzuschlagen, so wird doch das Zeugnis nicht versagt, daß der Pfarrer dasSeinige redlich gethan habe. Wilhelm Baur.

Geiz, s. Sparsamkeit.

Gelehrtenschule, s. Gymnasium.

Gclehrtenschulwesen. Geschichte desselben.*) §. I. Literatur. Sie zer-fällt in eine allgemeine und in eine besondere. Zu jener gehören theils die allgemeinenWerke über Pädagogik, namentlich von F. H. C. Schwarz und A. H. Niemeyer(Grundsätze der Erziehung und des Unterrichts. 9te Ausg. Halle 1834; besondersTh. 3 (1835) von S. 435 an), die einen besonderen geschichtlichen Theil enthalten,wie nicht minder die Prolegomena zu Chr. Palmers evang. Pädagogik. 4te Aust.Stuttg. 1869. S. 1—96; theils solche, die sich speciell der Geschichte widmen: F. E'Ruh köpf, Geschichte des Schul- und Erziehungswesens in Deutschland. I. Th. (un-vollendet, nur bis 1648). Bremen 1794. — Geschichte der Pädagogik vom Wieder-aufblühen elastischer Studien bis auf unsere Zeit, von K. v. Raumer, besondersTh. 1 u. 2 ., zuerst Stuttg. 1843 f. mehrmals aufgelegt; wenn auch mehr biographisch,doch für immer eine reiche, dankbar zu benutzende Fundgrube. — Geschichte der Pä-dagogik von Fr. Körner. 2te Ausl. Leipzig 1857. — Andeutungen finden sich auch(allgemein) in Chr. Koch's Grundsätzen der Erziehung, des Unterrichts und ihrer Ge-schichte. 2te Ausg. Marb. 1837. S. 145 — 212, und (speciell) in G. ThaulowsGymnasial-Pädagogik. Kiel 1858. S. 25 — 47. Für einzelne Perioden und Länder

*) Obiger Artikel ist dazu bestimmt, den Entwicklungsgang des Gelehrtenschulwesens über-sichtlich darzustellcn und die wichtigsten Erscheinungen und Männer, auch wenn ihnen noch be-sondere eingehendere Artikel gewidmet find, zu charakterisircn. Es ist dabei unvermeidlich, daßeiniges des Zusammenhanges wegen wiederholt wird und hie und da auch eine Verschiedenheit inBezug auf den Standpunkt der Beurtheilung hervortritt. D. Red.