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Geistliche als Seelsorger iu Bezug auf die Erziehung.
Seite hin eröffnet sich ihm in dem Vorbild des Herrn und seiner Jünger, von Jo-hannes an, der dem verlorenen Sohn in die Wildniß nacheilt, bis zu A. H. Franke,Zinzendorf und weiter herab, eine Innigkeit, Unermüdlichkeit und Mannigfaltigkeit deSj Thuns, das zu erschöpfen ein Menschenleben zu kurz ist. Der Geistliche, dem die höchste! Aufgabe gestellt ist, die es giebt: Menschen zum Himmelreich zu erziehen, hat in Bezug! auf Unterricht und Erziehung den Beruf, in der Gemeinde der Vertreter solcher Grund-sätze und Einrichtungen zu sein, welche zur Erreichung jener höchsten Aufgabe förder-
> lich erscheinen, und da er der Einzige in der Gemeinde ist, der das unbestreitbare
> Recht hat, jeglichem Gewissen Vorhalt zu thun, so soll er die diesem Recht entsprechendePflicht auch in den Angelegenheiten der Erziehung erfüllen. Hat Luther wahr gesprochen,wenn er behauptet, daß Eltern an ihren Kindern leicht die Hölle verdienen, so ist derGeistliche vor allen berufen, vor dieser Hölle die Eltern zu warnen und ihnen zu zeigen,wie sie sich an ihren Kindern den Himmel verdienen können. Es läßt sich aber nichtleugnen, daß trotz unsrer Fortschritte in der Erziehung, namentlich in der pädagogischenTheorie, doch die große Menge auf diesem Gebiete in Blindheit tappt; denn wo daSeigne Herz nicht fest ist, da giebts ein unseliges Schwanken in der Erziehung, wo daSFamilienleben nicht ein festgeschlossenes und heilig durchwärmtes ist, da ist das Reich,in welchem die Jugend herangezogen werden soll, in sich selbst uneins, und wo dashöchste Ziel nicht sicher vor der Seele steht, da wirken auf die Erziehung der Wechselund die Hinfälligkeit der Ziele verderblich ein. So steht es aber um die Mehrheitunserer Zeitgenossen. Diejenigen nun, welche vor allem den Beruf haben, für daSgesammte Leben Weckstimmen zu sein, sollten auch auf dem Gebiete der Erziehung dazudie Befähigung und die Freudigkeit haben, und zwar nicht allein in Landgemeinden. Wienoch thäte den vornehmen Leuten oft ein seelsorgerlicher Zuspruch, daß sie von Ver-elenden Eitelkeit abstehen, die Kinder so früh als möglich in die gesellschaftlichen Ge-nüsse der Großen einzuführen! Welchen Hirteneifer verdienten die abscheulichen Kinder-bälle und so manches andere, was zu der Blasirtheit der kaum bärtigen Jugend denGrund legt! Welche Thorheiten werden in den Regionen der Halbbildung begangen!Bis in die Flecken und Dörfer kommen Tanzmeister und Sprachmeister und verrückendie Köpfe mit den Phantomen von Fertigkeiten und Kenntnissen, in welchen es doch
' die Jugend hier gewiß zu nichts bringen wird. Und wenn auch der französische Tanz
! und die französische Grammatik die Töchter der Bürger und Bauern verschont, so wirkt
die französische Mode da am allergefährlichsten, wo sie als ein bloßer Sonntagsstaatunvermittelt neben der deutschen Arbeit und dem schlichten Kleide der Woche steht.Gegen solche Standessnnden sollte der Geistliche im Interesse der Erziehung Zeugnisablegen. Und zu solchem Zeugnis wird er da am meisten Anlaß haben, wo es amliebsten angenommen wird, in den Landgemeinden. Nur selten finden sich auch hier,selbst in den entschieden christlichen Häusern, Familien, in welchen eine tüchtige Kinder-zucht geübt wird. Und wo wir sie finden, sei es in nur rechtschaffenen oder in frommenHaushaltungen, da tritt sie oft in einer so strengen, das Recht der Individualität unddie Berechtigung gewißer, unter dem Scheine des Weltlichen und Leichtfertigen stehenderSeiten des menschlichen Lebens unterdrückenden Weise hervor, daß der mildernde Zu-spruch des Seelsorgers wünschenswerth erscheint. Ganz gewöhnlich aber sind die Haus-haltungen, in welchen eine gesunde Kindererziehung mangelt. Sind die Kinder klein,so ist das augenblickliche Zufriedenstellen derselben oberstes Princip, und da die Wünscheder Kleinen einen höchst augenblicklichen Charakter haben, so liegt es in ihrer Gewalt,die ganze Familie mit bloßem Schreien zu tyrannisiren, bis etwa einmal der natür-liche Mensch in unverständiger Härte auf das Opfer schlechter Zucht losfährt. Wachsen. die Kinder heran, so offenbart sich in der Kinderzucht der Charakter des Lebens der
s Eltern, das zwischen Arbeit und Vergnügen getheilt ist. Wie der ehrbare Bauer kein
höheres Lob spendet als das des Fleißes, so will er auch fleißige Kinder: thun sie den
Eltern die Arbeit zur rechten Zeit, so mögen sie außer der Zeit thun, was sie wollen.Während darum in wohlstehendeu Haushaltungen oft den Kleinen schon eine Arbeitslast