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Gehorsam.
Beweis im einzelnen, aber es kommt darauf an, daß sich der Wille des Erziehersüberhaupt als ein gerechter und vernünftiger erweise. Gehorsam als eine durch Ange-wöhnung zu erlangende Fertigkeit setzt ein in sich begründetes System von Forderungenan ihn voraus. Weil jedoch was recht auch heilsam ist, so erweist sich der Gehorsamgegen ein solches Befehlen immer zugleich auch als eine Quelle von Wohlfahrt, dieSenkung des Willens auf das Gute, seine Ablenkung vom Bösen als eine Wohlthat,und also wächst mit der Achtung vor dem Erzieher die dankbare Liebe zu ihm, es ver-geistigen sich die ursprünglich sinnlichen Motive des Gehorsams und werden mehr undmehr zu sittlichen. (Vgl. über diesen Proceß, Mende: der Gehorsam in der ErziehungS. IS f. und über das Angeben von Gründen des Befehles S. 10 f. Curtman, dieSchule und das Leben, 2. Ausl. S. ISS und den Art. Befehlen und Verbieten.)
Was ist also die Grundbedingung einer ersprießlichen Gehorsamspflege anders, alsdaß der zum Befehlen Berechtigte selbst ein rechter Mensch sei, der eben darum dasRechte in rechter Weise befehlen kann, weil er es als sein eigenes Gesetz achtet undbefolgt. Nicht willkürliche Schranken sind es ja, welche die Zucht dem Eigenwillensetzt, sondern sie ist darauf gerichtet, „die in den sittlichen Gemeinschaften eingeführteallgemeine Ordnung das Kind achten zu lehren" (Waiz, a. a. O. S. ISS). Als einunter dieser Ordnung stehender bewähre sich der Erzieher, so wird dem Zögling, jeweiter er in seiner Entwicklung schreitet, immer deutlicher vor Augen und ins Bewußt-sein treten können, daß jener ihn nach keinen anderen Gesetzen lenkt als unter denen erselbst steht. I.onAiriü itsr xsr xraoosxta, drovo xsr sxsmpla — das gilt auch denMeistern der Zucht. Aus der Vorbildlichkeit des eigenen Lebens nehmen gegenüber denHeranreifenden die Anforderungen des Erziehers ihre stärkste Einwirkuugssähigkeit unddas Gebot, du sollst ehren, erfüllt sich desto leichter und lieber gegenüber von solchen,die selbst ehrenwerth sind (vgl. d. Art. Auctorität). Indessen nicht das Beispiel alleinmacht es, die'Sache hat einen tieferen Grund. Auch der Erzieherwille erlangt seineStärke durch Beugung, eine Beugung, welche in der That zur Emporrichtung führt.(Vgl. Bormann, Schulkunde I, S. 183, überhaupt den ganzen wichtigen Abschnitt:Wie erzieht die Volksschule zum Gehorsam? S. 178 ff.) Und weil es gewiß ist, daßzuletzt und ans die Dauer in dem Widerspiel von Befehlen und Gehorchen nicht dieabstracto Legitimität, sondern die erworbene Auctorität, nicht die physische, sondern diesittliche Energie den Sieg davon trägt, so mußt du selbst gehorsam — nicht nur einstgewesen, sondern immer noch — sein, wenn du Gehorsam von anderen verlangst unddurchsetzen willst.
Wie wichtig ist daher, des Beispiels wegen, daß der Vater vor seinen Kindernniemals unehrerbietig von seinen eigenen Vorgesetzten rede, wie weise war jene sparta-nische Regel, welche den Männern verbot, vor Jüngeren die Gesetze des Staats zukritisiren, und wie falsch ist der Weg, den Lehrer einschlagen, die vor der unreifenJugend Ansehen suchen durch Herabsetzung der Autoritäten im Staate. Ein ungeban-digter Alter hat nicht den Anspruch Jüngere zu bändigen, und hat nicht die Kraft dazu,denn an Ordnung zu binden vermag nur der geordnete Willen. So lange ich hintermeiner eigenen Pflicht zurückbleibe, mangelt meinem Willen und Befehl die Energie,welche andere zu der ihrigen anhält; nur soviel als ich selbst in mir an Trieben dessinnlichen Egoismus bezwungen habe, so viel bin ich vermögend in anderen zu bezwin-gen ; auf den Gehorsam, den ich selber leiste, fußt meine Macht, den Gehorsam, welchenman mir schuldet, herbeizuführen. Dem Erzieher, der Augen hat zu sehen, dienendaher die Erfahrungen von widerspenstigem Wesen und schwer zu besiegender Unbot-mäßigkeit immer zugleich als Anlässe zu neuem Eingehen in sich, zu Buße und Selbst-zucht, in jedem neuen Zögling wachsen ihm Gelegenheiten zu, sich wiederum selbst gegen-ständlich zu werden; wein es Ernst ist, der wird erziehend immer miterzogen.
Dieser Wille, sich selbst fort und fort erziehen zu lassen und in der Leistung desGehorsams vorbildlich zu werden, ist da vorhanden, wo der Erzieher sich unter dieZucht des göttlichen. Willens stellt. In der Beugung deS eigenen Willens wächst dessen