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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Gehorsam.

im Zusammenhang mit dem, das in seiner Neigung und Empfindung lebt, und eS ist Raußerordentlich wichtig für die spätere Einwirkung auf den Zögling, daß der Erzieher Tvon den frühesten Jahren an derjenigen Empfindungen und Neigungen, durch welche sdie fortschreitende Zucht Eingang findet, sich versichert und sie gleichsam zu seinen Bun- »desgenossen heranbildet. Wen sein Knabe einmal aufgehört hätte zu fürchten und zu Ilieben, der müßte viele Worte und Schläge vergebens verschwenden. Beides muß zu-- I!sammenwirken — Fürchten und Lieben. Eines für sich allein reicht nicht. Furcht ohne üLiebe verbittert und macht scheu (Col. 3, 21 .), versteckt, zum Schein gehorsam; unter >

einer Schreckensherrschaft zittert das Kind daheim als klein, draußen und später bricht

der eigene Wille desto wilder' hervor.

Llrrlo ocmctus c^ui snum oKeiuin twcit,

Dum id rsseitum iri credit, tsutisxsr curst,

8i »xerut köre eium, rursum rrä ingsuium rsdit.

bereut, ^dslpk. ^et. 1, 1, 21.

Tyrannische Zucht macht aus den Zöglingen Höflinge, die sich in Gegenwart desDespoten bücken, im Vorzimmer wider ihn die Zunge recken; ein solcher Erzieher dünkt

sich fest in der Herrschaft zu stehen, aber seine Gewalt reicht nicht weiter als sein '

Stock. iVgl. hiezu und zu dem Folgenden die Bemerkungen über servile und liberaleErziehung in Waiz Allg. Päd. S. 149 ff.). Dagegen wo Liebe ohne Beisein der Furchtwirkt, fehlt das den Willen beugende Element, die Zuneigung wird überwuchert vonUngestüm und Trotz, es entgeht der Respect, der Zögling, der erst in reifern Jahrendes Erziehers Freund werden soll, fühlt sich jetzt schon als dessen Kameraden und also !zu beidem gestimmt und befugt, ihm zu lieb oder zu leid zu sein, Freundschaft zu halten iund aufznkündigen. Wo es dahin gekommen, wagt man in der That oft nicht mehr »zu befehlen, um nicht neuen Anlaß zu Widerspenstigkeiten zu geben. Ja es ist nichts Iallzu seltenes, Eltern zu sehen, die ihren Kindern gehorchen; noch häufiger käme dieserWiderspruch vor, wenn nicht doch oft der Zorn diejenige Nolle in der Zucht von selbstübernähme, welche dem Ernst gebührt, und wenn die verzogenen Kinder nicht wenig-stens an plötzlich über sie hereinbrechenden Ungewittern empfinden lernen müßten, daßnicht sie die Herren- seien. So hilft sich zuweilen die verletzte Ordnung der Natur,aber wie es gewiß ist, daß das sittliche Wachsthum der Kinder weit nicht allein von !bewußten Einwirkungen der Erzieher ausgeht, sondern vieles ist Wirkung und Gegen- ^

Wirkung unbewußt waltender somatischer und physischer Elemente, so soll doch da, wo es !

sich von der Anwendung positiver Zucht handelt, nimmermehr rohe Naturkraft wider roheNaturkraft ins Feld ziehen, sondern die letztere unter die von der Vernunft regierteGewalt des Erziehers sich beugen müßen. Wir desinirten den Gehorsam als die Unter- ,ordnung des Willens unter einen berechtigten andern Willen. Berechtigt ist derselbeaber nicht bloß durch sein Recht sich geltend zu machen, es kommt auch darauf an,daß er sein Recht in rechter Weise, d. h. nicht leidenschaftlich sondern vernünftiggeltend macht. Zorn thut ja nicht, was vor Gott recht ist. Schlaffe, energielose Zucht ^

ist leerer Willensraum, in welchen nach statischen Gesetzen Willensluft von außen ein- j

dringt, — wer weiß es nicht, wie unbewußt oft so der Zöglingswille in dem Erzieher- >willen Raum erobert und ausfüllt, wie schnell namentlich eine Schülerclasse an einemneuen Lehrer die schwachen Seiten spürt und durch sie wie durch offene Thore ihren

Einzug hält, uin seinen Willen in Besitz zu nehmen. Da pflegen dann endlich Revo- -

lutionen einzutreten, Gegenstürme brechen los, worinnen wiederum das richtige Verhältnis k:

sich herzustellen trachtet; allein das gelingt schwer, viel eher geschieht dabei zu viel, um -

bald hernach erneuter Schlaffheit Platz zu machen. Aprilwetter und Aequinoctialstürmeaber sollen nicht in Haus und Schule herrschen, sondern Heller Sonnenschein bei frischemOstwind. Der Wille des Erziehers muß eine Burg sein, unzugänglich der List wied«m Trotz und nur Einlaß gewährend, wo Gehorsam an die Pforten klopft; der Wille