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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Gehorsam.

absichtliche Mißhandlung gereizt, viel häufiger geschieht es, daß eine unverständige Zärt-lichkeit ihren Launen nachgiebt, sie mit leckerer Nahrung überfüllt, mit Spielzeug über-schüttet, um sie immerdar freundlich zu sehen, alles und mehr thut, als sie verlangen,und sie auf diese Art anspruchsvoll, ungenügsam macht. Namentlich in Häusern, daviel Besuche einsprechen und in angesehenern und reicheren Familien vermehrt sich fürdas Kleine die Gefahr, der Hausgötze zu werden, dem man schon um seiner Priester,der Eltern, willen huldigt. Das alles rächt sich bald und die Erziehung bekommtihre liebe Noth, hernach die Hindernisse des Gehorsams aus dem Weg zu räumen,welche sie selbst geschaffen hatte. Darum gilt auch hier der Spruch: reizet euere Kindernicht zum Zorn, enthaltet euch, sie an Erwartungen und Ansprüche zu gewöhnen, derenAbgewöhnung ihnen hernach ganz natürlich als ein Eingriff in erworbenes Recht er-scheint und ihren Zorn hervorruft; nillil snirn msZi» ksoit iruonnäos, gunm sänontiomoilis st blauäs. (Lsnoos. äs ins. II, 21. 22). — Als ein Gast im Haus wird dasKind während seiner ersten Lebenszeit angesehen und geehrt, aber einmal muß die Zeitkommen, da ihm das Gasthütlein abgezogen wird; das geht um so schwerer, einen jeeigensinnigeren Kopf ihr ihm darunter habet wachsen machen.

Ordnung und Zucht muß das Kleine fühlen, ehe es derselben bewußt wird, damites mit einer guten Angewöhnung und mit zurückgedämmtem Herrschertrieb des sinnlichenEgoismus in die Zeit des erwachenden Bewußtseins übergehe. Noch ehe es Ich sagenkonnte, hat sie begonnen; mit dem Eintritt in diese Entwicklungsstufe tritt es in dieimmer deutlichere Unterscheidung von seinen Erziehern und also in die Möglichkeit desdeutlichen Gegensatzes, dessen Verwirklichung nicht auf sich warten läßt. Was bringtes mit in diese neue Periode aus der früheren? — Bei richtiger Erziehung ein mitAnhänglichkeit verbundenes Abhängigkeitsgefühl, also zwei Momente, welche den Ge-horsam erleichtern, indem das eine das Bewußtsein seiner Nothwendigkeit, das anderedie Geneigtheit dazu bedingt; aber es bringt auch sein eigenes erwachendes Selbst mitund ein wogendes Meer von Trieben der sinnlichen Natur. An jene knüpft die Er-ziehung an, um diese zu lenken, in Ordnung zu bringen. Liebe und Furcht sind dieersten Bundesgenossen der Zucht im Innern des Kindes. Die Furcht entspringt zu-nächst aus dem Gefühl der sinnlichen Uebermacht des Erziehers, sie ist die Empfindungder Schwäche gegenüber dem Starken; auch die Liebe hat ihre natürliche erste Quellein der Sinnlichkeit — Wohlthaten der Eltern, Bedürfnis des Kindes sich anzuschmiegen.Also ist der Gehorsam zu Pflegen, indem der Erzieher seine Macht ausübt, was durchernsten Blick, entschiedenes Wort, eventuell mittelst physischen Zwangs, der das Bösehemmt, wenn er auch das Gute nicht schaffen kann, und mittelst Strafen geschieht;letztere jedoch haben nicht nothwendig noch in erster Linie den körperlichen Schmerz zuverwenden, sondern je nach der Art oder Wiederholung des Ungehorsams von Ent-^ziehung der Wohlthaten und Schmälerung der Liebeserweise aufzusteigen, wie dennz. B. auf das feiner geartete Kind, das streitig sein will, die Entfernung vom Schoßder Mutter, die Verweigerung der Vaterhand, des Kusses vor Schlafengehen re. alsempfindliche Strafe wirkt. (Vgl. die Art. Belohnung, Strafe). Während also durchErweisungen der Liebe die Neigung des Kindes gewonnen wird, dient eben diese Nei-gung dazu, es für die Zucht empfänglicher zu machen. — Aber das Kind soll nie alsInstrument, dessen Empsindungssaiten man Töne zur Unterhaltung entlockt, mißbrauchtwerden, so wenig als darauf in der Leidenschaft der Liebe oder des Zorns hinein zuhämmern ist; denn im letzteren Fall springen die Saiten und es verstummt, im ersterenbegiebt man sich in Gefahr, daß die Töne da versagen oder falsch klingen, wo mausie im Ernst hören will. Das Hineinhausen auf die natürlichen Empfindungen derKleinen bringt üble Früchte, denn wo die seelischen Beziehungen abgestumpft sind, findetmtellectuelle und moralische Einwirkung schwierigen Boden. Wer freilich den Gehorsamsei es als reine Frucht des Denkens und moralischen Wollend, sei es als Product desabsoluten Zwangs betrachtet, wird jene Rücksichten für sehr untergeordnet halten; aberder wirkliche Mensch, und mit diesem hat es die Erziehung zu thun, denkt und will