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Gehorsam,
Einwendung, das alles werde doch immer zugleich durch Selbstironisirung gemildert, reichtnicht aus; die Thatsache bleibt, und nicht zur Uebung der Freiheit, sondern zur Vor-übung fürs Tragen von Sklavenketten verschiedenster Art im späteren Leben und dam,ohne alle Ironie und Witz pflegen nur bei zu vielen solche Verirrungen des Gehorsams-bedürfnisses auszuschlagen. Man wird bei der Jugend aller Stände und Berufsarten Aehn-liches warnehmen und darf sich nicht verbergen, daß eben hier, im falschen Gehorsam,im verzerrten Ehr- und Pflichtbegriff, im vermeintlichen Freiheitsgenuß die Anfänge der-jenigen Sinnesart und Handlungsweise keimen, welche man, Bornirtheit und Gemein-heit zugleich bezeichnend, das Philisterthum nennt. Mit großen Buchstaben aber undauch dem blödesten Auge leserlich stellt sich das angeborene Gehorsamsbedürfnis in derGeschichte solcher Nationen dar, welche den freien Gehorsam gegen Gesetz und recht-mäßige Obrigkeit zu leisten unwillig, das Joch des Despotismus geduldig sich auf denNacken legen. Llunckns vult—rr-Zi; und sie wird regiert, wo nicht durch Recht, da durchGewalt, wo nicht von der Vernunft, da vom Unsinn und von der Thorheit. Welchemvon diesen beiden die Erziehung entgegen zu führen habe, kann keine Wahl sein.
Uebergehend nunmehr zu dem zweiten Hauptpunct, der Pflege des Gehorsams,beginnen wir mit der Namhaftmachung dessen, was hiefür im frühesten Alter des Kindesgeschehen kann. Mit Recht macht die Pädagogik darauf aufmerksam, daß schon dasKind in den Windeln einen Willen hat und demgemäß zu behandeln ist. Währendaber die Erziehung im Fortschritt der ersten Kindheit allmählich immer mehr mit posi-tiver Zucht und Willensbeugung aufzutreten hat, muß sie dem Säugling gegenüber vorallem darauf bedacht sein zu verhüten, daß nicht der sinnliche Wille beunruhigt undgereizt werde. Fernhaltung dessen, was ihm Schmerz und Aufregung bereitet, mittelstnaturgemäßer Einhüllung, Reinlichkeit, namentlich aber Pünctlichkeit in der Ernährungist nöthig, letztere zugleich schon auch als Angewöhnung an Regel und Ordnung. Esgenügt nicht, streitigen Kleinen zu wehren, man muß vermeiden, was sie ohne Nothstreitig macht, und wenn der Apostel den Vätern sagt: „reizet eure Kinder nicht zumZorn" (Eph. 6, 4), so ist dies ein Wort, das auch die Mütter sich an die Wiegeschreiben dürfen. Es giebt einen Zorn im Geblüt bei älteren Kindern, der die Ver-säumnis der Mutter, die Gleichgültigkeit der Amme und Wärterin während der erstenWochen anklagt. — Regel und Ordnung in Essens- und Schlafenszeit ist unmittelbarfür die leibliche, mittelbar für die gemüthliche Entwicklung des Kindes nothwendig,und darum rächt sich an der Mutter im späteren Leben, wenn sie entweder aus nach-giebiger Schwäche gegen ihr Kind oder aus Vergnügungssucht und um ihre Gesell-schaften nicht zu versäumen, die Zeiten der Ernährung verrückt, das Kleine zu frühins Bett zwingt oder zu lange in der Aufregung unter den Erwachsenen behält. — Dieschwierigsten Zeiten sind die der Kinderkrankheiten, des Zahnens u. dgl. NothwendigeRücksicht auf das körperliche Befinden, Mitleid, wobei das Herz einen: brechen will,Theilnahme der Anverwandten und Freunde, die alle helfen, lindern, erheitern wollen— unter ihrem Einfluß lernt das Kind sich bald als Mittelpunct und als Herrn überseine Umgebung fühlen, und es pflegt darauf Meisterlosigkeit und ein herrisches Wesennur zu gerne als die übelste Nachkrankheit sich einzustellen, die ihre eigene, aber eineunumgänglich nöthige Cur erfordert. Damit diese Nachcur nicht allzu schwierig werde,sind kranke Kinder möglichst in der Stille und Ruhe zu erhalten, man hat Aufregungdurch Freude oder durch eine größere Zahl von Gespielen während der Reconvalescenzzu vermeiden, es muß aber auch während der Hitze der Krankheit so gewiß als unterallen Umständen das dein Körper, so auch das dem Gemüth positiv Schädliche ferne ge-halten werden, wenn gleich die Durchführung den Eltern oft noch viel schwerer wirdals dein Kinde. So lange ein Mensch bei Sinnen ist, so lange hat er Anspruch untervernünftigen Regeln zu stehen und diese dürfen auch während des kranken Zustandesnicht beseitigt werden, obwohl sie mit aller Schonung sich geltend zu machen haben.Sonst opfert man das Gemüthsleben dem sinnlichen und die spätere Lebenszeit derfrüheren auf. — Nicht leicht werden die Kinder während der frühesten Periode durch