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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Gehorsam.

die wirkliche Menschennatur, in das Wesen der Freiheit und in die Bedingungen ihrerEntwicklung gewonnen hat. Denn die Forderung, man solle der Freiheit Raum lassenist nur realisirbar durch Bekämpfung des Unfreien am Willen, eine vernünftige Entwick-lung des Lebens nicht anders möglich, als indem der Werdende durch die erleuchteteVernunft des Erziehers angehalten wird, das Widervernünftige, das er in sich selbstträgt, niederzuhalten.

Indessen auch abgesehen von der Verderbtheit der menschlichen Natur haben wirin dem Gehorsam eine nothwendige Bedingung für gesunde Entwicklung des werdendenMenschen zu erkennen. Erzählt uns doch die Schrift von dem, der auch als Kind ohneSünde gewesen, daß er seinen Eltern unterthan war. Der zwölfjährige Jesus kenntund anerkennt also die Worte Gehorsam und Pflicht, welche Rousseaus zwölfjährigerGedankenknabe nicht einmal soll verstehen können. Und sind nicht überhaupt die edlerenNaturen in der Regel auch die lenksameren, wovon doch das Gegentheil stattfindenmüßte, wenn Gehorchen etwas der gesunden Natur widerstreitendes wäre. Mit Rechthebt Roth hervor, welchen unmittelbaren Segen der Gehorsam dem Lernen bringe, in-dem er die Aufmerksamkeit schärfe und also dem Denkvermögen ebenso wohlthätig werde,wie er den Willen adelt und läutert, daher auch schwächere Gaben an dem Gehorsamals an einem Stabe sich in die Höhe ranken, und es ist eine ebenso feine als ermun-ternde Bemerkung, wenn er von der Beihülfe redet, welche auch ungelehrte Eltern demUnterricht in den gelehrten Schulen dadurch leisten, daß sie mittelst der Pflege desGehorsams aufmerksame Schüler ziehen (a. a. O. S. 140). Zwar könnte inan dementgegen auf die nicht seltene Erscheinung Hinweisen, da ungebundener Knaben-sinn mit schnellem Kopf, leichter Auffassung, witzigen Einfällen sich verbunden zeigt,und demnach versucht sein, die Zucht dafür verantwortlich zu machen, wenn an Gehor-sam gewöhnte Schüler stiller und langsamer im Denken sich darstellen. Und in daThat es ist so, daß Zucht gemessener, gehaltener macht, die Aeußerungen des Geisteseinschränkt und zurückdämmt, aber eben damit sorgt sie für Spannung und Vertiefungdes Denkens, also für Mehrung der geistigen Kraft und reichere Frucht im späterenLeben, während der Ungebundene die Kraft vertändelt und so zu sagen sein Pulver inLustfeuerwerk verknallen läßt. Es ist eben der Mangel an Zucht und der Ungehorsam,durch welchen das Salz dumm und aus Knabengenies fade Männer werden.

Noch unmittelbarer als auf die intellectuelle Bildung wirkt aber der Gehorsamauf die gemächliche, überhaupt auf die Erziehung für das praktische Leben; er dientdem Zögling zur Orientirung und zur thätigen Theilnahme an den Interessen derLebenskreise, in welchen er aufwächst. Denn hiemit folgt er, der Unerfahrene den Er-fahrenen, der Unerleuchtete den Verständigen und Weiseren, als der Einzelne den Ord-nungen des Gemeinwesens, dessen Glied er ist, und indem er folgt, eignet er sich, nochehe er in die volle Einsicht hineingewachsen, den Segen davon an und hilft schon wie-derum als Mitwirkender ihn fortpflanzen. Die reifende Vernunft tritt so mit der ge-reiften in Bündnis und Wechselwirkung, und empfängt durch die leitende Hand derZucht Nahrung und Licht. Gebot und Verbot treten dem Zögling zunächst in Gestalteiner äußeren Nothwendigkeit entgegen, doch ist ihr Inhalt dem Wesen nach nichts an-deres, als wozu er selbst in seiner sittlichen Natur angelegt ist; ihr Müßen ist seinSollen; formelle Heteronomie, substanzielle Autonomie. Bei Roheit der Einsicht undder Sitten steht sich der Zögling im Gegensatz gegen den Erzieher, der Bürger gegendie Obrigkeit, Opposition wider jede Anordnung gilt für Freiheit, Widerspenstigkeit alsEhrensache. In der That aber heißt Gehorchen im Staat Mitregieren, weil es demGesetz und Recht im Staat mit zur Herrschaft verhilft; denn Gesundheit und Lebens-kraft eines politischen Gemeinwesens ruht ebenso in der Blüte des Gehorsams gegenGesetz und Obrigkeit wie in der vernünftigen Energie der Herrscher. Nicht minder inder Familie, in allen Erziehungskreisen muß man den befehlenden und den dem Be-fehl folgenden Willen nicht als gegensätzliche ansehen; sie sind organische Aeußerungeneines an und für sich selbst einigen Willens. Hierin liegt der innerlichste Erklärung^