Gefühlsbildung.
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ständiger Reflexion sich so sehr umhüllt, daß die Kraft des unmittelbaren Eindruckesauf das Gefühl dadurch abgeschwächt wird.
4) Wenn wir mit einigen Betrachtungen über die Mittel der Gefühlsbil-dung schließen, so wird es kaum der Bemerkung bedürfen, daß wir von solchenMitteln nicht im Sinne gewißer äußerer Maßregeln reden, die, an sich werthlos,ihren Werth eben nur durch ihre Beziehung auf den durch sie zu erreichenden Zweckerhalten. Je mehr es die Erziehung mit dem inneren Leben des Zöglings zu thunhat, desto weniger vermag die Pädagogik besondere Mittel der erwähnten Art anzu-geben, und die Wirkung auf das Gefühl ist die allerinnerlichste, die Mittel, wodurchsie unterstützt wird, können nur in einem an sich nothwendigen pädagogischen Verhaltengefunden werden, welches nur durch seine nähere Beziehung auf diese oder jene Seiteder Entwicklung des kindlichen Geistes in Rücksicht auf diese besondere Seite als einMittel bezeichnet werden kann. In diesem Sinne ist in dem Bisherigen schon die all-seitige Erweckung der geistigen Thätigkeit, ihre Hinleitung auf das Ewige und Gött-liche, die richtig geleitete Betrachtung der Natur, wie des Lebens und der Geschichte derMenschheit, auch als Erziehungsmittel besprochen worden. Es ist nun aber noch aufeinen Unterrichtsgegenstand aufmerksam zu machen, welcher zu dem Gefühl in einer soeigenthümlich innigen Beziehung steht, daß er als Mittel der Gefühlsbildung ganz be-sonders hervorgehoben zu werden verdient, nämlich die schöne Kunst. Wenn dasKunstschöne wesentlich in der vollkommenen wechselseitigen Durchdringung eines sinnlichenStoffes und eines idealen Gehaltes besteht, darin, daß, wie Goethe es ausdrückt, dasEinzelne zur allgemeinen Weihe geführt werde, so leuchtet ein, daß gerade es auf Be-lebung und Bildung des Gefühls den heilsamsten Einfluß üben muß, indem es eben-sowohl die Empfänglichkeit für die einzelnen sinnlichen Eindrücke schärft, als das Gefühldem Allgemeinen, Göttlichen erschließt. Es wäre schlimm, wenn nicht jeder Erzieher-schön aus Erfahrung den tiefen Eindruck kennen gelernt hätte, welchen ein lebendig -vorgetragenes ergreifendes Gedicht, oder ein gemeinschaftlich gesungenes schönes Lied aufdie Herzen der Jugend hervorbringt. Freilich muß, damit dieser Zweck erreicht werde,den Zöglingen auch wahrhaft Schönes und das Gefühl Ansprechendes dargeboten werden,iuud versificirte „Beispiele des Guten' sind dazu ebensowenig geeignet, als die frühersäst ausschließliche Alleinherrschaft der vorzugsweise die Reflexion anregenden Fabel be-rechtigt war. Glücklicherweise aber findet sich bei unseren classischen Dichtern und indem unvergleichlichen Schatze des deutschen Volks- und Kirchenliedes des Trefflichengenug, um auch der Volksschule die Vortheile dieses unschätzbaren Bildungsstoffes zu-zuwenden. Damit dieser seine ganze bildende Kraft entfalte, muß übrigens zu derrichtigen Auswahl auch die richtige Behandlung kommen, die weder in' einseitigemStreben nach Verständlichkeit durch zersetzende Analyse den poetischen Schmelz des Kunst-werkes abstreift und dessen Wirkung auf das Gefühl geradezu hindert; noch durch Ge-dichte, welche den Gesichtskreis des Schülers überhaupt übersteigen, oder dadurch, daßsie auch die unentbehrlichen Erläuterungen einzelner Schwierigkeiten versäumt, jenesunklare und inehr sinnliche Wohlgefallen an vollklingenden, aber unverstandenen Wortenund schönen Versen begünstigt und so das Gefühl für die volle Schönheit eines Kunst-werkes vielmehr abstumpft. Zur Entwicklung des Gefühls für die sittliche Größe und^Schöne kann ganz besonders der Geschichtsunterricht wirken. Zum Schluffe!müßen wir auf die Gefühlsbildung mit ganz besonderem Nachdrucke unfern alten Satzmnwenden, daß das beste und sicherste Erziehungsmittel in der Persönlichkeit desErziehers liegt. Wer selbst keinen Sinn hat für das wunderbare Weben des Natur-lebens, für die geselligen Tugenden, für die Schöpfungen einer edlen Kunst, der wirdsich vergeblich abmühen, mit abstracten Belehrungen und gemachter Begeisterung seinenZöglingen mitzutheilen, was er selbst nicht besitzt. Ein reines, lebendiges und kräftigesGefühl aber ruft sein Echo in den Kinderherzen unmittelbar hervor und nirgends giltmit solchem Rechte, als gerade auf dem Gebiete der Gefühlsbildung das schöne Wortvon I. I. Wagner: „Nichts erzieht besser als die Gegenwart eines trefflichen Menschen,
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