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Gcfiihlsbildimg.
welchen Wohl und Wehe anderer auf das Gefühl hervorbringcn sollten, ist Neid undSchadenfreude. Wirkliche Schadenfreude ist das Zeichen eines tief verderbten Ge-fühls und kommt bei Kindern seltner vor, als es den Anschein haben mag; denn dasMitleid, welches wir den zu Schaden Gekommenen zeigen, und die thätige Hülfe, welchewir ihnen leisten, werden schon durch die natürliche Neigung unterstützt, indem die mitihnen verbundene Erinnerung an die eigne vortheilhaftere Lage das Selbstgefühl be-friedigt. Das unwillkürliche Lachen, welches durch kleine unerwartete Unfälle andererunmittelbar erregt wird, ist keine Schadenfreude, denn es hört auf und geht in Mitleidüber, sobald sich zeigt, daß der Belachte wirklich zu Schaden gekommen ist, und derErzieher wird, statt ein Verbrechen streng zu rügen, welches gar nicht vorhanden ist,von solchen Fällen besser einen Anlaß nehmen, der allzu reizbaren Empfindlichkeit desGegenstandes solcher Heiterkeit entgegenzuwirken, denn auch sich mit Anstand auslachenzu lassen, ist ein lobenswerther Act sokratischer Selbstbeherrschung. Mehr als durchdas Gebot des Mitleids, wird der natürlichen Selbstsucht durch die Forderung zuge-muthet, des Glückes eines andern sich zu freuen, welches man selbst haben möchte undentbehren muß, und Regungen von Neid und Misgunst wird darum der Erzieh«häufig begegnen. Direct, durch Tadel und Strafe, wird sich gegen diese Verirrungendes Gefühls wenig ausrichten lassen; sie werden aber von selbst schwinden, sobald eSgelingt, in dem Zögling ein ernstes und lebendiges Streben nach Erfüllung sein«höheren Aufgabe und damit das richtige Selbstgefühl zu erwecken. Er verlerntdann, mit neidischem Seitenblicke auf andere hinzusehen, und lernt vielmehr darüberSchmerz empfinden, daß er seiner eignen Bestimmung nicht genügt, und darüber Freude,daß er dieser sich annähert. In der Beurtheilung, ob das eine, oder das andere derFall sei, muß zumal der Unmündige durch das Urtheil derjenigen unterstützt werdeu,in welchen er die Vertreter des von ihm zu erfüllenden höheren Gesetzes erkennt. Darin,daß er deren Billigung oder Misbilligung angenehm oder unangenehm enrpfindet, zeigtsich das Ehrgefühl (s. d. Art. Ehrgefühl). Dieses ist in dem Organismus des ge-selligen Lebens und Wirkens so tief begründet, daß bei richtiger Behandlung es leichtwird, es auch in solchen Zöglingen zu wecken, in welchen es unentwickelt geblieben ist,weil ihnen entweder bei einer zu harten Behandlung niemals eine Anerkennung ihrespersönlichen Werthes zu Theil geworden ist, oder bei einer zu weichlichen ihnen jedeAnregung zu höherem Streben fehlte; und mit ihm hat der Erzieher einen in demZöglinge selbst liegenden Antrieb gewonnen, welcher eine pflichtmäßige Thätigkeit kräf-tiger und gründlicher fördert, als alle äußeren Maßregeln. Vor der Ausartung ineifersüchtigen Ehrgeiz aber bleibt das Ehrgefühl bewahrt, wenn nur, wie bereits ange-deutet, der Zögling daran gewöhnt wird, nur durch Lob und Tadel derjenigen sichafficiren zu lassen, welche er, wie es bei Eltern und Lehrern wenigstens der Fall seinsollte, als Repräsentanten des göttlichen Gesetzes selbst verehren kann, wenn er, mitEinem Worte, seine höchste Aufgabe darin finden lernt, so zu handeln, daß er Gottgefalle. Dies führt uns zu der dritten und wesentlichsten Beziehung des Gefühls, zuseiner Beziehung auf Gott. Wie die Eindrücke der Natur und des menschliche»Lebens zu benutzen und zu leiten sind, damit auch sie dazu beitragen, diese Beziehungstets lebendig zu erhalten, wurde in dem Bisherigen bereits hervorgehoben: auch dieNatur muß der Zögling als die wunderbare Schöpfung der göttlichen Weisheit, auchdas menschliche Leben als die Offenbarung der Gerechtigkeit und der Gnade Gottesempfinden lernen, und die einzelnen Gegenstände des Unterrichtes sind durch Zurück-führung auf Gott als das waltende Wesen in allem einzelnen Dasein zur „allgemeine»Weihe" hinzuführen. Hier ist nur noch darauf hinzuweisen, wie das Gefühl des Zög-lings für die Stimme Gottes in dem eignen Herzen, wie die wahre Gottesfurcht lin ihm wach zu erhalten ist durch herzliche und ernste Vermahnung zum Herrn, dtt ckeinerseits die günstige Stimmung zu finden weiß, in welcher der Zögling nicht durch Idie Mannigfaltigkeit anderer Eindrücke zu sehr zerstreut ist, andererseits nicht mit ver- ^